Motorradfahren in der Gruppe – so geht’s richtig

Überblick in der Gruppe verloren? Kann schon mal passieren.

Jeder von uns fährt im Prinzip gern in der Gruppe. Dabei ist das gar nicht so einfach. Wie es richtig geht, möchten wir Euch hier näher bringen. Text: Irene Seidler, Tobias Vögerl, Fotos: Tobias Vögerl.

Vor ein paar Tagen hat Irene von den Heels on Wheels einen Beitrag auf Facebook gepostet, der mich nun, zwei Tage später, noch einmal zum Nachdenken brachte. In dem Beitrag ging es im Wesentlichen darum, dass man beim Führen einer Gruppe – vor allem einer längeren Gruppe – schnell ganz viel ganz falsch machen kann.

Fahre ich mit einem bestimmten Kumpel, verstehen wir uns fast blind. Wir haben total unterschiedliche Motorräder und unser Fahrstil unterscheidet sich deswegen gravierend, aber das macht uns gar nix. Nahezu immer wissen wir, was der Andere gleich machen wird und haben beide den Skill, uns aufeinander einzustellen.

Bei einem Gruppenausflug in die kurvenreichen Regionen der Mosel habe ich aber die Fähigkeiten des vor mir fahrenden, völlig unbekannten Teilnehmers total überschätzt und wäre demjenigen fast hinten drauf geschippert, als dieser in einer tiefen Kurve ohne Grund eine Vollbremsung hinlegte. Eigentlich hätte mir seine Unsicherheit schon vorher bewusst sein müssen, aber ich war so sehr in meinem eigenen Flow, dass ich die Vorzeichen nicht erkannt habe. Aus diesem Grund greife ich das Thema auch auf.

Folgende Tipps erleichtern Euch das Fahren und Führen in der Gruppe:

    1. Aufteilung

Die Aufteilung in der Gruppe sollte immer so sein, dass der Langsamste direkt hinter dem Tourguide fährt, also an zweiter Stelle. Der Tourguide fährt voraus. Meist ist das der mit dem Navi. Die Schnelleren fahren hinten, da die immer nach unübersichtlichen Stellen oder Überholmanövern aufschließen müssen, dort können sie sich austoben.

    1. Gruppe beobachten

Beobachte den, der vor Dir fährt. Bleibt er in der Spur, wechselt er häufig die Linie, wie fährt er Kurven an, wann bremst er. Halte ausreichend Abstand zu Leuten, die Du nicht kennst. „Was macht der da bloß?“ Stellst Du Dir diese Frage, sei vorsichtig. Vielleicht nicht jetzt, aber in der nächsten Kurve. Oder der übernächsten. Es schadet auch nicht, sich kurz mit demjenigen beim nächsten Stop kurz auszutauschen und nachzufragen, was los ist.

    1. Gegenseitige Rücksichtnahme

Das A und O. Ohne Rücksichtnahme macht es allen Teilnehmern nur halb so viel Spaß. Das bedeutet jetzt nicht, dass Ihr nur noch gelangweilt vor Euch hingurkt. Viel mehr geht es darum, dass jeder eine Rolle in der Gruppe übernimmt. Seid Euch dieser Rollen bewusst und respektiert Eure Mitfahrer. Das Wichtigste aber ist, dass Ihr miteinander sprecht und nicht gleich eskaliert.

    1. Runter vom Gas, Verantwortung für sich selbst

Auf den Geraden heißt es: Runter vom Gas. Angasen ist in Kurven doch eh viel geiler. Dass Tourguides vor Kurven noch eben schnell zwei Autos überholen, geht gar nicht. Dass dann auch noch welche blind hinterherfahren, geht auch nicht. Hier heißt es, Verantwortung für sich und die Anderen zu übernehmen und sich auch mal im Tempo zu zügeln.

    1. Tourguide

Der Vorausfahrende hat verschiedene Aufgaben. Er gibt die Richtung und die Geschwindigkeit vor und sorgt dafür, dass die Gruppe zusammen bleibt. Fährt man im Korso, fährt der Guide links. So kann er einfacher überholen, da er die Straße voraus im Blick hat und beim Spurwechsel nicht auf den Hintermann achten muss. Vor Ampeln heißt es langsamer, statt schneller. Ihr müsst im Zweifel eh warten – warum nicht direkt an der Ampel.

Natürlich sind diese Regeln nicht in Stein gemeißelt und es gibt Gruppen, die verstehen sich blind. Aber nicht immer fahren wir mit unseren Buddies.

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6 Gedanken zu “Motorradfahren in der Gruppe – so geht’s richtig

  1. hier fehlt noch ein wichtiger punkt, der auch sehr oft vergessen wird….versetztes fahren auf geraden und ggf in leichten kurven. gerade beim bremsen super wichtig und beim aufstoppen vor ampeln usw kann direkt nebeneinander gehalten werden.

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    1. Ja, es fehlt sogar noch einiges, das man ergänzen kann. Mein Ziel war es, die grundlegenden Elemente gebündelt darzustellen und meine Leser nicht direkt mit einem langen Text zu überfordern. Besteht Interesse, arbeite ich diese Liste in einem zusätzlichen Beitrag gern aus. LG

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    2. Richtig. Aber hierzu gibt es diverse Urteile. Beim versetzten Fahren kann es sein, dass man bei einem Auffahrunfall plötzlich Mitschuld trägt. Deswegen habe ich das mit Absicht weggelassen. In einem ausführlicheren Guide werde ich diese Themen noch intensiver besprechen. Liebe Grüße

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  2. Da fehlt aber noch eine ganze menge sehr wichtiger Dinge.
    – Man achtet immer auf den Hintermann und kann im Falle eines Stopps langsamer Fahren oder anhalten . Das setzt sich dann bis zum Guide fort.
    – Man wechselt niemals die Spur, wer rechts fährt bleibt rechts und wer links fährt bleibt links. Fällt der Schert der Vordermann aud irgendeinem Grund Aus, (defekt, usw.) schliesst man die Gruppe nach vorn, Niemals von rechts nach links und umgekehrt.
    – Bei engen Straßen fährt man hintereinander und wechselt danach wieder in seine ursprüngliche Position.
    – Man lässt ncht abreißen, sodas die Lücke zu groß wird und ein anderer zum Lückenspringen animiert wird.
    -Beim Anhalten vor Kreuzungen, roten Ampeln und anderen Hindernissen wird auf Zweierkolonnen aufgeschlossen und der Abstand zum Vorderfahrzeug so kurz wie möglich gehalten um ein schnelles Überqueren der Kreuzung zu ermöglichen.
    – Überholvorgänge sollten auf Autobahnen und vierspurigen Bundesstraßen immer geschlossen, quasi wie EIN Fahrzeug, erfolgen. Wenn es die Sicherheit erlaubt, muss der Road Captain signalisieren, dass die Gruppe geschlossen die Fahrspur wechseln und überholen kann. Beim Überholen von LKWs sollten immer nur ca. drei Bikes auf einmal überholen. Das erleichtert eventuelle Ausweichmanöver. Auf zweispurigen Straßen ist einzeln zu überholen und nur, wenn kein Überholverbot besteht.
    Der Führungsfahrer sollte auch nach dem Überholen weiter in der linken Spur bleiben, um dem nachfolgenden Fahrer ausreichend Platz zu lassen. Dann sollte der nächste Fahrer auf die Überholspur wechseln, überholen und wieder in die rechte Fahrspur wechseln, um dem nächsten Fahrer das Überholen zu ermöglichen. Der Rest der Gruppe sollte nach dem gleichen Muster überholen.
    – Im Fall einer Panne rechts ranfahren uns anhalten und auf den „ Lumpensammler“ / „Ragman“ / „Schlussmann“, warten!
    Unterdessen fahren alle nachfolgenden Bikes mit dem Rest der Gruppe bis zum nächsten geplanten Haltepunkt weiter.
    Im Fall eines Unfalls sollten alle nachfolgenden Bikes anhalten, inkl. des „Schlussmannes“ als letzter Fahrer und des Begleitfahrzeugs (sofern eines vorhanden ist).
    Die anderen Bikes sollten ihre Fahrt bis zum vereinbarten Haltepunkt fortsetzen, denn ein wenden könnte zu weiteren Komplikationen führen.
    Der „Schlussmann“ sollte die Situation einschätzen, bei Bedarf einen Notruf absetzen bzw. bei einer wahrscheinlichen Verzögerung einen Fahrer zum nächsten geplanten Haltepunkt schicken, um den Rest der Gruppe zu informieren.
    – Überquert keine Kreuzungen oder Straßen bei Rotlicht, nur um den Anschluss zu behalten.
    Bei Rot muss angehalten werden!
    So geht es richtig wenn´s nicht alle schaffen:
    Die „Grünphasengruppe“ fährt weiter, bis alle dieser Gruppe gefahrlos rechts heranfahren und warten können. Der letzte der „Grünphasengruppe“ wartet hinter der Kreuzung auf den Rest der Gruppe (Rückspiegel!).
    – Zur Abfahrt erscheinen alle Fahrer mit vollgetankter Maschine und mit leerer Blase!
    Wer den Konvoi verlassen will, meldet sich vorher beim Konvoiführer ab.
    Jeder tankt seine Maschine bei jedem Tankstopp voll! (Dürfte bei unsere Samstagstour nicht notwendig sein! Jeder Fahrer ist für sein Handeln eigenverantwortlich!
    Sichtlich alkoholisierte oder unter dem Einfluss anderer Rauschmittel stehende Fahrer, werden von der Ausfahrt ausgeschloßen! Es gilt die Stvo!

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    1. Finde ich alles gut und wichtig. Mein Ziel war, die wichtigsten Punkte so zusammen zu fassen, dass diese leicht gemerkt werden können. Natürlich ist der Text deswegen so kurz geraten. Liegt auch daran, dass ich noch mit der Textlänge am Spielen bin, denn ich möchte die Leser nicht direkt überfordern. Danke für Deine Hinweise. LG

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  3. also ich hab auch mit dem system die schnellen vorne , und einer wartet an der nächsten abbiegung um die richtung zu zeigen (wo gehts hin) , gute erfahrung gemacht. vor allem in kurvigen spassregionen kann jeder seinen stil fahren. lieber öfter mal ne pause , und an geeigneten stellen warten , und die gruppe wieder zusammen führen. wenn das beherzigt wird , muss keiner druck verspüren schneller machen zu müssen als er das mag , und die schnelleren müssen nicht nur in der gegend rum rollen.

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