Tour: Wo jede Kurve ein Genuss ist – unterwegs im Sauerland Teil 1

Natur, ein traumhafter See, schöne Straßen und legendäre Kurven: Das Sauerland

Von Neuss aus ins Herz des Sauerlands. Im Mittelpunkt der Tour stehen – neben dem Motorradfahren – die vielen Sehenswürdigkeiten rund um den Biggesee. Darunter der eigentliche Grund für die Tour: Die Atta-Höhle in Attendorn. Ein Muss für jeden, der ein Faible für Steine und Mineralien hat. Text und Bilder: Tobias Vögerl

Es ist Montag morgen. Schon beim Packen die erste Erkenntnis: Die Koffer der BMW R 1200 GS und der Tankrucksack reichen für einen dreitägigen Ausflug mehr als aus. In die Hecktasche passt auch noch Kleinzeug wie Ladegeräte, Medizin, Kaugummi und sogar die kabellosen Bluetooth-Kopfhörer. Auch die Wetter-App meint, das Wetter solle gut bleiben und lässt auf sonnige Tage mit den besten Kurven Deutschlands hoffen. Beste Voraussetzungen also für drei entspannte Tage im Sauerland.

Eigentlich sollte am Biggesee gecampt werden, aufgrund der im Moment unberechenbaren Wetterlage in Deutschland fällt die Entscheidung aber doch auf ein Hotel oder eine Pension. Somit buchen wir erst am Tag vor der Abfahrt über ein großes Booking-Portal bei der Pension Kuhlmann in Lennestadt-Saalhausen. Das ist etwas weiter vom Biggesee entfernt als gewollt, aber Preis, Rezensionen und vor allem ein freies Zimmer engen uns etwas ein. Dass wir mit dieser Entscheidung absolut richtig liegen, wissen wir da noch nicht. Noch am Sonntag Abend wird die Anfahrt zur Pension so geplant, dass wir am Biggesee entlang über die Biggetalsperre und das träumerische Burghotel Schnellenberg fahren.

Montagmittag geht’s los. Früher lassen es die Termine leider nicht zu. Da gerade Ferienzeit ist, rechne ich mit dem Schlimmsten. Das Navi, ein TomTom Rider 400, berechnet aber nur ungefähr zehn Minuten Stau in der Nähe von Köln an einer Baustelle. Puh, nochmal Glück gehabt. Schön, dass sich das Navi mittels Bluetooth ans Smartphone koppelt für aktuelle Verkehrsdaten. Es geht also von Neuss auf die A46, am Kreuz Hilden auf die A3 bis zum Kreuz Köln Ost und weiter zur A4. Dort angekommen, offenbart sich das erste mal, was einen hier in Hülle und Fülle erwartet. Wunderschöne Berge und grüne Täler, wohin das Auge blickt. Ein Halt an einem der Park- oder Rastplätze hätte sich bestimmt gelohnt, ich möchte aber Strecke machen und nicht schon nach 100 Kilometern den ersten Stop einlegen.

Endlich einmal raus aus dem Alltagstrott, der Stress fällt langsam ab und ich entspanne auf der Maschine. Vielleicht ist es wichtig, an dieser Stelle einmal anzumerken, dass ich niemals auf dem Motorrad träume. Nicht eine Sekunde. Träumen kann ich erst, wenn ich absteige. Zu schnell kann es für uns Motorradfahrer zu gefährlich werden. Zudem versuche ich vorausschauend zu fahren. Dazu gehört, dass ich flexibel und angepasst fahre. Also nicht stur 130, sondern überhole auch mal schneller, wenn hinter mir jemand drängelt. Zu zweit fahre ich selten mehr als 5 km/h zu schnell.

Der Rennelch voll bepackt und reisefertig.

An der gestern bereits ausgemachten Baustelle endlich vorbei auf die A45 bis Olpe und dort direkt auf die L512. Eine schön kurvig angelegte Straße, die am Biggesee entlang führt. Bäume säumen den Straßenrand und saftig grün sind die Täler. Durch den Wald hindurch erhascht man immer wieder einen Blick auf den tiefblauen See. An einem der vielen Parkplätze legen wir den ersten Stop ein. Was für eine Aussicht. Vor uns, eingebettet in den unzähligen Grüntönen des Waldes, liegt der Biggesee. Die Sonne scheint auf uns herab. An diesem Tag hat es deutlich über 30 Grad und das merken wir jetzt auch in der Motorradkleidung. Während der Fahrt kühlte der Fahrtwind noch. Also schnell in den Schatten gestellt und ein paar Nüsse gegessen.

Herzlicher Blick über den Biggesee an den vielen Aussichtspunkten

Weiter auf der L512 fahren wir zur Burg Schnellenberg. Noch haben wir nicht zu Mittag gegessen, die Nüsse sind vermutlich bereits nach 5 Minuten verdaut. Deshalb freuen wir uns schon auf eine deftige Mahlzeit, da zur Burg auch ein Restaurant gehört. Der Weg führt vom Tal durch Attendorn hindurch einen steilen Berg hoch. Dort kommen wir an einem Aussichtspunkt vorbei, an dem wir erneut kurz halten, die schöne Aussicht auf Attendorn genießen und ein paar Fotos machen. Die weitere Strecke zur Burg ist mit engen Kurven gespickt. Mit meinem Rennelch, wie ich meine GS liebevoll nenne, gefällt es mir hier unheimlich gut. An der Burg angekommen geht’s zu Fuß nochmal ein Stück zum Restaurant hoch. Im Schatten eines jungen Baumes sitzend können wir endlich den malerischen Moment mit Blick aufs Schloss und über Attendorn hinweg in Ruhe genießen. Zu unserer Enttäuschung hat das Restaurant leider geschlossen, es werden nur Getränke serviert. Mein Magen knurrt verständnislos. Nicht mehr durstig, aber von der gnadenlosen Hitze erschöpft, fahren wir weiter zur Pension. Es geht durch das schöne Tal entlang durch Straßen von denen ich dachte, es gäbe sie nur in Rumänien oder Bulgarien. Links und Rechts schlängeln dich die Kurven dahin, ein Hochgenuss. Der Rennelch schwingt schwer bepackt jede Kurve mit.

An der Pension angekommen empfangen uns Herr und Frau Kuhlmann herzallerliebst. Die Zimmer entsprechen unseren Erwartungen und sind deutlich heller und schöner als bei unserer letzten Buchung bei einer anderen Pension in der Eifel. In der gesamten Pension darf zudem nicht geraucht werden. Zudem setzt die Aussicht an dieser Stelle noch einen drauf: Die Pension Kuhlmann in Saalhausen liegt etwas erhöht auf einem Berg. Von dort hat man eine tolle Sicht durch das Tal auf die gegenüberliegenden Berge.

Trotzdem müssen wir nochmal raus und etwas essen, inzwischen ist es fast 18 Uhr und mein Magen knurrt – wohl, um sich in Erinnerung zu rufen. Herr Kuhlmann empfiehlt uns die örtlichen Gaststätten und genau dort zieht es uns auch zu Fuß hin. Etwa 1,5 km. Ein netter Spaziergang unter der goldenen Abendsonne. Denkste! Bergab und bergauf führen uns die Straßen durch Saalhausen. Im Zentrum von Saalhausen habe ich Hunger wie schon lange nicht mehr und wir setzen uns in die erstbeste „Dorfschänke“, die auch gleich so heißt. Mit den Gästen und Anwohnern kommen wir schnell ins Gespräch und bekommen vom Nachbarn aus dessen großem 10-Liter-Eimer auch gleich frisch gesammelte Kirschen zum probieren geschenkt. Lecker. Bier aus der Region aus Grevenstein und ein Krüstchen mit Ei und Kartoffeln runden den Abend ab. Schade bloß, dass das Gemüse tiefgekühlt zu sein scheint. Müde vom Bier erfreuen wir uns noch kurz der netten Saalhausener, die sich nicht scheuen, sich zu uns an den Tisch setzen und mit uns zu plauschen. Zurück zur Pension geht es vorbei an einem idyllischen Cafe durch den neu angelegten Kurpark namens TalVital. Ein unglaublich kraftspendender Ort. Was hier auf die Beine gestellt wurde, Hut ab. Neben einer Kneipp-Kur gibt es noch wunderschöne Hängematten, ein Piratenschiff für Kinder, verschiedene Teichanlagen und noch vieles mehr. Unbedingt vorbeischauen, wenn man in der Gegend ist. Nach diesem langen und anstrengenden Tag fallen wir zurück in unserer Pension nach einer schnellen Dusche in unsere frisch gemachten, bequemen Betten.

Die Kneipp-Kur im Lennestadter Park namens TalVital lädt zum entspannen und erholen ein.
In TalVital kann man auch gut die Seele baumeln lassen.

Vielen Dank für’s Lesen. Weiter geht es in den nächsten Tagen mit „Unterwegs im Sauerland Teil 2“. Sobald dieser verfügbar ist, wird in diesem Beitrag der Link ergänzt.

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