Tour: Wo jede Kurve ein Genuss ist – unterwegs im Sauerland Teil 2

wp-1472633597117.jpgIn „Unterwegs im Sauerland Teil 1“ habe ich bereits über den ersten Tag der Tour ins Sauerland berichtet. Im zweiten Teil geht es nun zu den schönsten Orten rund um Olpe, Attendorn und Lennestadt. Text und Fotos: Tobias Vögerl

Lennestadt Saalhausen. Die morgendliche Sonne macht sich sanft bemerkbar. Als Frühaufsteher bin ich am Dienstag schon um kurz nach sechs Uhr wach und genieße die goldenen Strahlen. In Ruhe plane ich den ungefähren Verlauf des Tages.

Dieser Tag wird ereignisreich und anstrengend. Genau der richtige Grund für ein ausgiebiges Frühstück. Und das gibt es in der Pension der Kuhlmanns – ein liebevolles Frühstück der besonderen Art. Frischer Kaffee und schwarzer Tee werden zusammen mit Kräuter-Rührei, Käse und Wurst serviert. Frische Marmelade, Honig und der obligatorische Nussaufstrich fehlen auch nicht. Am Buffet wartet eine riesige Auswahl an Säften, Müsli, Aufstriche und etwas Obst. Über die Auswahl und Qualität braucht man wirklich nicht meckern. Nach der Stärkung wird der Rennelch kurz auf Herz und Nieren geprüft, die Koffer montiert und schon kann es los gehen. Warum die Koffer mit schleppen? Ganz einfach: Sie ersetzen den Kofferraum eines Autos. Einen Helm, zwei Jacken, Stiefel und noch Kleinzeug bekommt man da locker unter und man spart sich die ganze Mitschlepperei. Und beim Fahren merkt man die Dinger eh kaum.

Über die bekannte Landstraße von gestern geht es nun nach Attendorn zurück. Vergnüglich schlängeln sich die Kurven sanft dahin. Es geht mal bergauf, mal bergab und ohne Hetze bleibt Zeit, die Eindrücke zu genießen. Wäre ich mit der BMW S1000RR gefahren, wäre es auch schön. Aber ich würde viel mehr hetzen und aus dem Grund gar nicht so viele Eindrücke der Natur und der Landschaft bekommen.

Wasserfall vor der Atta-Höhle

Man sollte sich für den Besuch der Höhle nicht zu kühl anziehen, innen herrschen konstante 9 Grad.

Interessant, dass die Atta-Höhle direkt am Stadtrand Attendorns an einem der Berghänge liegt. Vor der Höhle befindet sich ein riesiger Parkplatz und eine Käserei, in welcher der berühmte Atta-Käse hergestellt wird – eine deftig würzige Spezialität, den wir vor der Höhle probieren dürfen. Leider würde der Käse aufgrund der Temperaturen den Transport in den Koffern nicht überstehen. Zur Höhle selbst geht es zu unserem Glück nur etwa hundert Meter hoch. In die Höhle gelangt man nur im Rahmen einer Führung, die rund 40 Minuten dauert. Auch bei den sommerlichen 32 Grad sollte ein Jäckchen angezogen werden, um sich nicht zu erkälten. In der Höhle hat es das ganze Jahr angenehme 9 Grad. Die Führung ist schnell und manchmal hat man als Nachzügler das Nachsehen, da es forsch voran geht. Nach der Führung entscheiden wir uns noch dazu, im angrenzenden Shop ein paar Andenken zu kaufen. Neben einem rosa Anhänger und einem dazu passenden Armband gibt es noch eine blaue Steinscheibe, die mich seltsamerweise an die Karibik erinnert und ein paar Wassersteine für meine neue Wasserfilter-Karaffe.

Der Aufstieg zum Biggeblick lohnt sich auf jeden Fall.

Von der Atta-Höhle fahren wir weiter zum Biggeblick, einer hochgelegenen Aussichtsplattform über dem Biggesee. Vom Parkplatz an der Waldenburger Bucht aus wandert man zu Fuß noch etwa 600 Meter einen wirklich steilen Berg hoch. Mit Rollstuhl oder Gehhilfe sollte man sich erkundigen, wie man anders da hoch kommt. Alternativ braucht es drei oder vier kräftige Burschen als Begleitung – kein Witz, es ist richtig steil. Die Belohnung für derlei Strapazen ist ein legendärer Ausblick auf den Biggesee, die Biggetalsperre und einen Teil des Tales, in dem der See liegt. Die Plattform selbst ist ein kleines, stählernes Kunstwerk, das in 90 Metern Höhe über dem See zu schweben scheint. Daneben ist eine kleine Holzhütte, die im Moment aber nicht geöffnet ist. Leicht versteckt ist dahinter sogar ein Kinderspielplatz vorhanden. Inzwischen ist es kurz nach Mittag. Kurz vor drei Uhr startet die nächste Rundfahrt über den See. Uns bleibt also ausreichend Zeit, um den sagenhaften Ausblick zu genießen.

Aussicht vom Biggeblick aus auf den Biggesee. Herz, was willst Du mehr?

Der Abstieg ist deutlich einfacher. Das nächste Ziel ist die Anlegestelle der Biggesee-Schiffe in Sondern. Es ist unter der Woche und kurz vor der eigentlichen Ferienzeit. Trotzdem warten bereits hunderte Gäste. Tickets gibt es im Ticketshop, wo wir auch noch zwei Radler kaufen, die sogar mit auf das Schiff genommen werden dürfen. Der Einstieg an Bord geht dann trotz der großen Schlange recht flott und es gibt ausreichend freie Plätze.

Der Blick vom Schiff aus auf die Statue der Atta. Nach ihr wurde auch der Ort Attendorn, sowie die Atta-Höhle benannt.

Der Sommertag verspricht bereits richtig heiß zu werden und in den Motorrad-Klamotten ist es nochmal wärmer, weswegen ich meine Stiefel und Socken auf dem Schiff ausziehe. Jetzt muss ich aber aufpassen, dass ich mir nicht die Sohlen verbrenne. Der Boden ist extrem heiß, aber der sanfte Wind und die Kühle des Wassers erfrischen. Das Schiff hält an drei Anlegestellen: In Sondern, an der Talbrücke und am Biggedamm. Von dort aus sieht man den Biggeblick aus einer anderen Perspektive und vieles mehr gibt’s zu entdecken. So zum Beispiel eine Statue der Atta, die es sich am Ufer des Sees gemütlich gemacht hat. Nach gut anderthalb Stunden hat man den See einmal umrundet und ist wieder in Sondern zurück.

Der Rhein-Weser-Turm besteht aus Holz und ist urig eingerichtet. Gleicht im Sommer einer Sauna.

Von dort aus fahren wir durch Attendorn und erkunden die schöne, alte Kirche, bis es zum Rhein-Weser-Turm geht. Die Strecke der L553 an Lennestadt vorbei erscheint nicht sonderlich weit, hat es aber in sich. Zuerst geht es den Berg hoch, die Kurven schlängeln sich mal sanft, mal enger dahin und die Landschaft und Aussicht ist atemberaubend. Ideal, um das Motorradfahren zu trainieren, schließlich habe ich die GS ja neu und Training schadet nicht. Wie weit kommt die GS runter mit Beifahrer und Koffern? Bis die Sturzbügel mal kurz sanft aufsetzen. Oder waren es die Koffer? So schwingt der Rennelch flott von Kurve zu Kurve, bis sich zwei dicke LKWs vor uns bergab mühen. Safety-Car-Phase. Stimmung: Trauriger Smiley mit Mundwinkel nach unten. Keine Chance, die beiden behäbigen Kolosse auch nur irgendwo sicher zu überholen. Betonung auf sicher. Überholen wäre gar kein Problem. Ruckzuck bin ich daran vorbei. Aber ich kenne weder die Strecke, noch kann ich sie einsehen. Es gibt Blöde (ja, Blöde!!!), die dann überholen. Zu denen gehöre ich nicht, dieser Kick ist mir meine Gesundheit nicht wert. So bleibt nichts anderes übrig, als den Gestank des halbverbrannten Diesels zu ertragen. Aber Motorräder brauchen eine neue EU-Norm. Ist klar. Nach etwa zehn Minuten findet sich dann endlich eine Stelle die zum Überholen taugt, aber da sind wir auch schon angekommen. Zuerst ist rechts der  Panoramapark und wenig später auch der Rhein-Weser-Turm. Für den Aufstieg bezahlt man einmalig einen kleinen Obolus. Wer körperlich noch fit ist, sollte das unbedingt tun, denn der Turm besteht aus Holz und ist urig eingerichtet. Stockwerk um Stockwerk klettern wir hoch und oben angekommen ist die Aussicht herrlich. Im angeschlossenen Café trinken wir etwas, bevor es nach Saalhausen zurück geht.

Aussicht vom Rhein-Weser-Turm.

Abends essen wir im schicksten Restaurant von Saalhausen, dem Landhotel Voss. Es ist unbedingt zu empfehlen, nicht im Restaurant selbst zu essen, denn das Hotel hat einen wunderschönen Außenbereich, an dem ein Bach vorbei fließt.

Man sitzt ruhig und idyllisch im Hotel Voss
Lounge-Bereich im Hotel Voss
Leckere Mahlzeit nach einem anstrengenden Tag.

Das hervorragende Essen wird gekrönt vom Besuch des Inhabers, der es sich nicht nehmen lässt, seine Gäste persönlich anzusprechen und nach dem Rechten zu fragen. Zufälligerweise hat auch noch der junge Küchenchef das erste mal die Leitung der Küche und seine Eltern sitzen als Gäste neben uns. Erschöpft fallen wir in die frischen Betten der Kuhlmanns.
Am Mittwoch, dem dritten Tag unserer Tour, erwartet uns erneut ein köstliches Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Wenn nur jeder Tag so beginnen könnte. Die Kuhlmanns geben uns noch einige Flyer mit, die wir dankend annehmen. Deutschland bietet so viele schöne Ecken, und ins Sauerland kehren wir auf jeden Fall zurück.

Abschüssige, gut ausgebaute Straßen laden im Sauerland zum Touren ein.

Der Weg zur Hohen Bracht
Ganz schön hoch die Hohe Bracht

Von Saalhausen aus fahren wir nach einem herzlichen Abschied von den Kuhlmanns zuerst zur Hohen Bracht. Alleine schon der Weg dorthin ist ein Hochgenuss. Links und rechts schlängelt sich die Straße in formvollendeten Kurven den Berg zur Bracht hinauf. Der Blick ins Tal ist famos. Auch an der Hohen Bracht kostet der Aufstieg ein paar Cent und auch hier lohnt es sich. Die Bracht wird wohl zusätzlich als Telekommunikations- und Basisstation der Mobilfunker genutzt. Das tut der schönen Aussicht aber keinen Abbruch. Wir entspannen noch ein wenig, bevor es Richtung A4 nach Hause geht.

Aussicht von der Hohen Bracht

Touren zum Download:Tag 1 zum Download für die mobile App Rever

Tag 2 zum Download für die mobile App Rever

Tag 3 zum Download für die mobile App Rever

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