Italo-Brenner und ihre Vorurteile – Klischee oder zu Unrecht verurteilt?

Stell Dir bitte vor, Du sitzt genau jetzt an der italienischen Küste vor Neapel am Meer. Stell Dir vor, Du trinkst ein teures Wasser. Vor Dir das tiefblaue Meer, über dem die Sonne mit herrlichen Strahlen Körper und Seele wärmt. Dein Blick geht zur Seite, wo Du SIE siehst. Sie ist weit und breit die Schönste. Sie trägt ein rotes Kleid und edle, schwarze Highheels. Und ihr Blick sagt: Mach eine Reise, tauch ein, ich nehme Dich mit auf ein unvergessliches Abenteuer. Würdest Du Nein sagen, oder das Abenteuer wagen? Text & Fotos: Jonas Bauer

Seit 2013 bin ich zweirädrig unterwegs. Angefangen habe ich auf einer Aprilia RS125 von 2005, die mich in ihren anderthalb Jahren in meinem Besitz über 17.000 km begleitet hat. Um der Überschrift dieses Beitrages Tribut zu zollen: Sie ist im März 2015 mit einem defekten Motor leider zu einem wirtschaftlichen Totalschaden geworden.

Wie es der Zufall aber wollte, fand gerade an jenem Wochenende in einem Dorf unweit meines Heimatkaffs eine Motorradausstellung unter Beteiligung meines Händlers statt. Also ab mit dem ADAC nach Hause, umziehen, duschen und los zur Ausstellung.

Dort stand es dann – mein Traummotorrad, schon als ich meine RS gekauft hatte. Liebe auf den ersten, zweiten und x-tausendsten Blick – und leider schweineteuer.

Es war eine nagelneue Aprilia RSV4 R in ‚Formula Rot‘, jedoch für mich (im übertragenden Sinne) unerreichbar.

Niedergeschlagen fuhr ich nach Hause und checkte trotzdem meine Finanzen. Und ein helles Leuchten erfüllte den ganzen Raum. Mit viel Brechen, Biegen und persönlichen Abstrichen würde ich es schaffen, mein Motorrad aus eigener Kraft zu finanzieren.

So führte am nächsten Morgen nach dem Frühstück der Weg wieder zur Ausstellung – und ich kaufte mein Traummotorrad!

Was hat mich jedoch dazu bewegt, wieder ausgerechnet eine ‚italienische Diva, die öfter in der Werkstatt steht als auf der Straße fährt’ zu kaufen?

Sicherlich gehört da zum Einen das Aussehen: Es gibt für mich aktuell kein charismatischeres Motorrad, als die RSV4. Das kompakte Heck mit dem LED-Rücklicht, die scharfen Kanten und die sonst auch sehr kompakte Bauweise waren mitunter ausschlaggebend für diesen Kauf. Zum Anderen tragen auch die voll einstellbare 43mm Upside-Down-Gabel und das über einen Umlenkhebel angelenkte, ebenfalls voll einstellbare Federbein von Sachs – beide in Gold – das gewisse Etwas bei. Zum Verzögern besitzt die RSV4 vorne zwei M50 Monoblock-Bremszangen von Brembo, die in zwei 320mm Bremsscheiben beißen, was kurze Bremswege möglich macht.

Doch der geneigte Leser fragt sich jetzt: Aber Jonas, das haben andere Hersteller doch auch! Wo bleibt da jetzt das Killer-Argument? Gute Frage! Meine Hauptgründe waren der Motor und der Sound, was sich bis heute auch nicht geändert hat.

Der Motor ist, wie der Name schon sagt (wenn man sich ein wenig bei der Namensgebung im Aprilia-Universum auskennt), kein normaler Vierzylinder-Ottomotor in Reihenbauweise, sondern ein 65 Grad-V-Motor mit 4 Zylindern, also mit jeweils zwei Zylindern pro Zylinderbank. Die Zündreihenfolge des Motors ist asymmetrisch, was auch direkt den zweiten Hauptgrund erklärt, nämlich den Sound dieses Bikes. Wer ein Mal einen echten V4-Motor gehört hat, noch dazu aus einer Racinganlage, weiß, wovon ich spreche.

Aber auch die originale Auspuffanlage ist mit eingetragenen 100 dB bei 5200 Umdrehungen nicht gerade leise. Dabei wird die Lautstärke noch durch eine elektronisch gesteuerte Auspuffklappe geregelt – was auch bisher der einzige Grund war, warum meine V4 außerplanmäßig in die Werkstatt musste. Der abgerauchte Stellmotor hat mir dann kurzerhand einen ordentlichen Schrecken eingejagt.

Zudem werde ich seit über 13.000 km fehlerfrei vom Aprilia-eigenen Elektronikpaket namens APRC – Aprilia Performance Ride Control – unterstützt. Das Paket beinhaltet das sogenannte Ride-by-wire, bei dem ein Sensor die Gasgriffstellung an die ECU (Engine Control Unit) schickt, welche wiederum dem Drosselklappenstellmotor den Befehl zum Öffnen der Drosselklappen gibt. Das Ride-by-wire bildet die Grundlage für (fast) alle weiteren Bestandteile der APRC:

AWC – Aprilia Wheelie Control, ATC – Aprilia Traction Control, ALC – Aprilia Launch Control und zu guter Letzt das ABS, welches nicht auf dem Ride-by-wire basiert.

Auf die genauen Funktionen der APRC und des gesamten Elektronikpaketes gehe ich in einem gesonderten Bericht ein, da das hier etwas den Rahmen sprengen würde 😜.

Alles in Allem kann ich dem Klischee beziehungsweise den Vorurteilen gegenüber den italienischen Bikes nicht zustimmen. Sicherlich gibt es den ein oder anderen, der mich für diese Aussage am Liebsten ungespitzt mit dem Kopf in den Boden rammen möchte ob seiner eigenen Werkstattrechnungen, aber ich spreche trotzdem noch für mich.

Vielen Dank für’s Lesen.

Über (konstruktive) Kritik, gern als Kommentar unter diesem Beitrag, auf Facebook oder Instagram unter @motoblogging wäre ich Euch sehr dankbar!

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