Kurzbericht Mugello 2016

Im öffentlichen Strassenverkehr rasen, sich und andere gefährden, Bussen und strafrechtliche Verfolgung als Konsequenzen tragen? Lieber nicht, denn „schnell“ bist Du eh nicht. Das merkst Du aber erst, wenn du auf einer Rennstrecke mit 260 km/h auf eine Kurve zufliegst, voll ankerst und ein geübter Racer an dir vorbeischiesst, weil er erst 100 Meter später bremst. DAS ist schnell. Text & Fotos: Lino Nipkow

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Wer sich auf einem Motorrad richtig austoben möchte, muss einfach auf die Rennstrecke. Alles andere ist fahrlässig. Deshalb ging ich in dieser Saison ein paar mal auf die Piste, unter anderem auf Mugello. Mugello liegt in der Nähe von Florenz und ist eine der beliebtesten italienischen Strecken, auf der auch die MotoGP unterwegs ist. Sie ist bekannt für die 1141 Meter lange Gerade (Topspeed MotoGP 354,9 km/h, Andrea Iannone, Ducati, 2016) und Ihre hügelige Lage in der wunderschönen Landschaft der Toskana.

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Wir kamen bei Sonnenuntergang an, und der Anblick war wirklich atemberaubend! Man sah auf die Linkskurve (siehe Bild oben rechts) und in echt sah die Neigung der Strecke wirklich beeindruckend aus. Das Licht verlieh der Szenerie fast etwas Magisches. Pures Racingfeeling auf den ersten Blick – schwer zu beschreiben, aber wunderschön. Nach der Ankunft schrieben wir uns beim Veranstalter ein, und richteten uns ein. Die Zelte wurden aufgestellt, die Motorräder ausgeladen und die Luftmatratzen im Lieferwagen aufgeblasen. Wir hatten drei Tage à 6 Turns vor uns, und der Wetterbericht hielt, was er versprach: Keine Wolke und 26 – 30 Grad Celsius, besser hätte das Wetter echt nicht sein können.

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Es war erlaubt, auf dem grossen Platz in der Mitte des Autodroms zu schlafen. Geschlafen haben wir in unseren Lieferwagen auf Luftmatratzen. In der Nacht wurde es erstaunlich kalt, wir hatten nur etwa 13 Grad Celsius. Zum Glück hatten wir eine kleine Heizung und warme Kleider dabei. Am nächsten Tag ging es dann mit den ersten Turns los. Bevor wir nach Mugello gingen, habe ich an meiner Yamaha YZF-R6 RJ15 einen Quickshifter verbaut. Der war noch nicht richtig eingestellt und machte in den ersten zwei Turns etwas Probleme, die ich aber beseitigen konnte. Die Strecke ist echt eindrücklich und anspruchsvoll, das rauf und runter an der ein oder anderen Stelle verleiht dem Track viel Charakter. Eine meiner persönlichen Lieblingstellen war die „Arrabiata 2“ (die Zornige), eine Rechtskurve, die nach einem schnellen Bergaufstück kommt und nicht wirklich einsehbar ist. Das rauf und mit Vollgas raus über eine kleine Kuppe – das Vorderrad wird ganz leicht. Einfach ein hammer Gefühl, Adrenalin pur! Die lange Gerade war für mich durch den hohen Topspeed und den kleinen Linksknick vor dem harten Anbremsen auch ein Highlight.

Es ist zu sagen, dass ich persönlich aus reinem Spass am Fahren auf die Piste gehe, und keine Ziele bezüglich Rundenzeiten habe. Natürlich versuche ich trotzdem, schnell zu sein – was zu einer Fehleinschätzung meinerseits führte. So kam es, dass ich mein geliebtes Motorrad zum ersten Mal überhaupt ins Kies schmiss, und das schon im dritten Turn. Ich dachte mir nur „Sh*t, jetzt ist es schon gelaufen.“ Glücklicherweise wurde nur die Verschalung etwas zerkratzt, Hebel, Lenkerstummel und Fussrasten waren alle heile geblieben. Das war mein erster Sturz überhaupt und ich war erstmal etwas erschrocken, aber die aufmunternden Worte meiner Freunde haben mir geholfen. Und nach der Reinigung ging es wieder weiter – glücklicherweise ohne Zwischenfälle, bei Niemandem von uns.

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Die Infrastruktur in Mugello ist topmodern. Von der Haupttribüne an der Geraden hat man einen Blick auf fast die ganze Strecke. Das macht es auch ziemlich attraktiv, dort ein Rennen live anzusehen. Die Duschen und Toiletten, die sich auf dem Parkplatz befinden sind sauber und funktionieren. Ebenfalls auf dem Parkplatz findet man die Tankstelle, die Super, Superplus und Diesel anbietet. Wie immer ist der Treibstoff dort allerdings teurer als bei einer Tankstelle ausserhalb. Fünf Autominuten entfernt befindet sich ein kleines Dörfchen, wo man einkaufen oder in einem Restaurant essen kann. Notfalls hat es auf der Strecke Getränkeautomaten.

Fazit: Als Hobbyracer musst du Mugello einfach mal gesehen haben.

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