Sommerurlaub im Schwarzwald – oder die Geschichte wie Lisa ausging, um Kurven zu lernen…

Der Rheinfall in Schaffhausen ist ein Highlight dieser Tour. Text & Fotos: Lisa FZ6

Schon als Kind begeisterte ich mich für den Klang und das Aussehen der verschiedenen Motorräder. Aber nie war die Möglichkeit da, den Führerschein zu machen. So bin ich lange als Sozia mitgefahren, das hat mir auch immer Spaß gemacht. Während den Touren konnte ich schon einiges über das Motorrad fahren lernen und bekam schnell ein gutes Gefühl dafür. Mit der Zeit wurde aber das Bedürfnis, selber zu fahren und unabhängig zu sein, immer größer. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Wunsch nach dem eigenen Führerschein und vor allem einem eigenen Motorrad so groß war, dass ich einfach ins kalte Wasser springen musste. Mit 26 habe ich mich für den „großen“ Führerschein angemeldet und schwupps, ehe ich mich versah, hatte ich den Lappen und mein „Mädchen“ – eine Yamaha FZ6 Fazer. 

Die ersten Touren führten mich mit meinen Freunden in die Eifel, in den Westerwald und ins Bergische Land. Nach kurzer Zeit wurde klar, wir wollen weitere Strecken fahren. Also wurde eine längere Tour für den Sommerurlaub 2016 geplant. Der Schwarzwald sollte es sein. Erste Ängste machten sich breit, da ich nur mit sehr erfahrenen Fahrern unterwegs war. Außerdem Schwarzwald, das hört sich schon düster an. In Englisch klingt es gleich noch gruseliger – Black Forest. Zusätzlich hatte ich auch andere Bedenken: Würde ich die Gruppe aufhalten? Würde ich das Tempo schaffen? Würde ich konditionsmäßig hinkommen? All das beschäftigte mich und setzte mich ein klein wenig unter Druck.

Nach einer schlaflosen Nacht ging es Samstag Morgen um 5:30 Uhr auf die Maschinen. Es war noch dunkel und frisch und der Druck, den ich mir zuvor gemacht hatte, wich idyllischer Vorfreude. An meinem Helm hatte ich zur besseren Kommunikation ein Intercom-Funksystem verbaut. Damit kann man untereinander kommunizieren, nachfolgende warnen oder auf langweiligen Autobahntouren Radio hören – was ich natürlich tat und die ersten 170 km bis zum Frühstück vergingen wie im Flug! In Rheinböllen, einem Autohof zum Frühstücken, stoppten wir dafür. Ich muss ehrlich gestehen, bei Rheinböllen muss ich immer an Silvesterböller denken. Weiter ging es nach einem ausgiebigen Fitnessfrühstück etwa 200 km bis zur nächsten Pause. Es wurde immer wärmer – deswegen entledigte ich mich meiner Kombi-Inlets . Weiter ging es ein Stück durch Frankreich und nach weiteren 200 km waren wir dann schon im Schwarzwald. Die Schwarzwald-Hochstraße hatten wir durch die Anreise bereits abgearbeitet. Sie ist sehr schön ausgebaut und gut zu fahren. Als Motorradfahrer, so habe ich mir sagen lassen, sollte man diese Straße mindestens einmal in seinem Leben gefahren sein. Check.
Nach ungefähr 550 km kamen wir am Berggasthof Kandel zwischen St. Peter und Waldkirch, einem einsamen Hotel auf 1200 Meter an. Es hat nur zwei Auffahrten – jeweils reinste Serpentinen gepaart mit sehr schlechtem Belag, hui. Nach der Ankunft besprachen wir unsere Tour für den nächsten Tag. Der grobe Plan war, die Gegend ums Hotel sternförmig zu erkunden. Den ersten Tag ließen wir bei einem Bier und Kartenspielen ausklingen.

Da man ohnehin den ganzen Tag auf dem Motorrad sitzt, braucht man abends kein TV, sondern ein gemütliches Bett. Und das hat der Kandelhof definitiv – neue Matratzen, gut duftende Bettwäsche, weiche Kissen. Das ist für mich wirklich wichtig. Hundemüde schliefen wir tief und fest ein. Preislich ist der Kandelhof unschlagbar – 65 Euro für Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück. Dieses reichlich, dazu krosse Brötchen, Eier, frisches Obst. Also alles, was das Herz begehrt und nachnehmen so oft man mag. Besonders schön: Es war sogar erlaubt, eine Lunchbox für die täglichen Touren mitzunehmen.

Sonntag, zweiter Tag. 24 Grad, sonnig. Wir wollten nach Freiburg – die heißeste Stadt Deutschlands. Dem war definitiv so. Parken konnten wir direkt auf dem Marktplatz, mit Motorrädern kein Problem, auch beschwerte sich keiner der Anwohner. Nach einer mehrstündigen Stadtbesichtigung machte sich der kleine Hunger breit. Man kennt ihn ja aus der Werbung und weiß, wie hartnäckig der sein kann. In einem kleinen, süßen Café setzten wir uns und ich aß mein erstes Stück Original Schwarzwälder Kirschtorte. Wie lecker das war! Auch das sollte man einmal im Leben gemacht haben, also: Check!

Über wunderschöne Bergstraßen und Pässe ging es zurück zum Hotel. Am Abend aßen im Kandelhof einige von uns frische Reibekuchen mit Apfelmus, andere probierten lieber die Currywurst mit Pommes. Frisch zubereitet und unfassbar lecker nach einem schönen Tag auf dem Bike. Auch ein frischer Salat durfte nicht fehlen – „kleiner“ Salat… Pah, der reicht locker für 2 Personen. An diesem Tag sind wir nur 200 km gefahren, was auch gut so war nach den vielen Kilometern vom Anreisetag. Erneut müde und erschöpft fielen wir in unsere frisch gemachten Betten.

23 Grad, bewölkt aber schwül. So begann am Montag der dritte Tag unserer Tour. Über viele sehr gut ausgebaute Land- und Nebenstraßen fuhren wir am Titisee entlang, wobei wir feststellten, viel zu voll, viel zu viel Tourismus. Die Route führte zu den Todtnauer Wasserfällen. Das war meine Sehenswürdigkeit, die ich mir wünschte. Es war schön, die unberührte Natur und das Rauschen des Wassers ungestört genießen zu können. Hervorzuheben: ausgewiesene Parkplätze für Motorradfahrer, von dort sechs Minuten Fußweg zu den Wasserfällen, und am Eingang gibt es Schließfächer extra für Motorradfahrer, für Helm und Jacke. 

Abends fanden wir im schönen Dreisamtal, in etwa 17 km Entfernung mit den Bikes, von unserem Hotel ein gemütliches Restaurant. Gasthaus Birke in Kirchzarten-Burg hatte einen wunderbaren Biergarten, bei bestem Wetter saßen wir draußen – es gab Käsespätzle, Salat und ein frisches (!alkoholfreies!) Bier. Wir versprachen dem freundlichen Wirt, am nächsten Tag wiederzukommen, dann war Schnitzeltag!

Das Wetter am Dienstag war sonnig angenehm. Perfektes Wetter für die Schweiz. Erklärtes Ziel: Der Rheinfall. Viele kennen ihn, viele waren schon dort. Ich nicht. Wieder eine Premiere! Wir fuhren nach dem Frühstück los, und es wurde immer wärmer. Die Landesgrenzen sind schleichend. Das man in der Schweiz angekommen ist, erkennt man an den gelben Fahrbahnmarkierungen, der gedrosselt Höchstgeschwindigkeit und dem unvergleichlichen Patriotismus. An jedem Haus hängt mindestens eine Schweiz-Flagge! „Schlimmer als die Amerikaner!“ dachte ich mir und „Bloß nicht blitzen lassen“, war mein einziger, anderer Gedanke. Dennoch war die Landschaft unvergleichlich. Nach Landstraße und etwas Stadt kamen wir am Rheinfall an.

Wahnsinniges Spektakel, es war so laut! Leider wieder sehr überlaufen und entsprechende Preise: ein Kaffee und ein Eis am Stiel : Sechs Euro! Wir beschlossen, auf dem Rückweg in einem Café halt zu machen und dort ein Stück Kuchen zu essen – natürlich standesgemäß : Schwarzwälder Kirschtorte! Wir ernannten uns zu den heimlichen „Schwarzwälder – Testern“. Aber jede Torte schmeckt anders und auf ihre Weise sehr gut. Mhhhh! Auf der Rückfahrt wurde die Zeit doch eng und wir beschlossen auf Umwegen direkt zum Schnitzel-Essen zu fahren. Gasthaus Birke: Prädikat „Bestes Schnitzel“. Zurück im Hotel gingen wir unserer Abendbeschäftigung nach: Bier und Karten.
Am Mittwoch stand ein bisschen fahren ohne große Anstrengung auf dem Programm. Am gestrigen Tag hatten wir mehr Kilometer abgerissen als geplant, sodass wir heute nur ein bisschen Sightseeing machen wollten. Es ging über schöne Pässe durch tiefe Täler, vorbei am songenannten „Hirschsprung“, einer der engsten Stelle des Schwarzwälder Höllentals, auch Höllenpass genannt. Von der Straße aus kann man eine Hirschstatue auf einem Bergvorsprung sehen, sehr imposant! Am Nachmittag kehrten wir in einem kleinen Gasthaus „Kalte Herberge“ ein. Auch hier schmeckte der Schwarzwälder Kirsch hervorragend und kalt war es kein bisschen. Es war ja auch Sommer. Auf dem Rückweg zogen sich die Wolken zusammen. Wir vermuteten Regenschauer und machten einen kurzen Halt, um uns die Regenkombis überzustreifen. Das war ein guter Plan. Keine 5 km weiter fing es wie aus Eimern an zu regnen. Die Auffahrt zum Hotel wurde dadurch sehr erschwert, zumal dann auf 1200 Meter auch dicke Wolken auf uns warteten. Die Sicht war kaum 5 Meter, also Warnblinklichtanlage an, keine 20 km/h auf dem Tacho und bloß nicht die Einfahrt zum Hotel verpassen. Waren wir froh, als alle im Hotel waren -dort erstmal eine heiße Dusche und einen warmen Tee. Der Wirt war so nett und nahm unsere nassen Regenkombis, Schuhe und Handschuhe um diese am Kamin zu trocknen. Der nächste Tag war gerettet. Abends genossen wir das deftige Essen, Bier und natürlich Karten spielen!

Am Donnerstag musste ich pausieren. Meine Konzentration hat am Vortag sehr gelitten und mein „Popometer“, das für die ordentliche Kurvenfahrt unerlässlich ist, brauchte eine Pause. Bei herrlichem Sonnenschein auf der Terrasse ließ ich es mir mit einem Taschenbuch gutgehen, das ich vorsorglich in mein Gepäck gequetscht hatte. Nach der Rückkehr meiner Freunde saßen wir gemeinsam auf der Terrasse und ich hörte ihrer Tagestour zu – sie waren zum Schluchsee gefahren und schwimmen gewesen – um danach eine „schnelle“ Fortgeschrittenen-Route durch die Berge zum Hotel zu fahren. Auch sie haben den Tag sichtlich genossen.

Leider begann der Freitag mit Nebel, Regen und Temperaturen um die 15 Grad. Absolut kein Motorradwetter, zumal die Abfahrt vom Hotel ins Tal ausgesprochen gefährlich gewesen wäre. So haben wir den Tag ganz entspannt begonnen und unser Frühstück in die Länge gezogen, noch eine Kanne Kaffee bestellt und uns wieder mit Karten spielen und Tourenplanung für die verbleibenden Tage beschäftigt.

Gegen frühen Nachmittag wurde es immer noch nicht viel besser. Allerdings ermutigte uns der Wirt zu fahren, da im Tal besseres Wetter angesagt war. Die Einheimischen müssen wissen, wovon sie sprachen, dachten wir uns. Also Regenkombis an und ab auf die Maschinen. Im Tal angekommen war das Wetter leider nicht besser. Halt legten wir unter einer sehr großen, dichten alten Tanne ein. Wir hatten auch hier unsere Freude, die Truppe war einfach super und unsere Laune ließen wir uns nicht vermiesen. So machten wir das Beste aus dieser Situation. Nach einer Stunde entschieden wir uns zum Hotel zurück zu fahren. Kaum auf den nassen Maschinen Platz genommen, riss der Himmel auf, die Sonne kam zum Vorschein und wir entschieden uns für eine schöne Rundtour in der Reichweite des Hotels. Sicher ist Sicher. In einer kleinen Bäckerei in einem Ort in der Umgebung, machten wir unseren obligatorischen Nachmittagsstop. Kaffee und Kuchen standen auf dem Programm. Was soll ich sagen, auch die Schwarzwälder schmeckte vorzüglich und die Bäckerinnen waren unfassbar freundlich und erzählten uns einen Schwank aus dem Dorf – so herzlich wurde ich selten als Motorradfahrerin begrüßt. Eine Bäckerin erzählte, ihr Chef sei auch leidenschaftlicher Motorradfahrer und unter Bikern wird man immer freundlich aufgenommen. Der Rückweg war dann wieder klar und sonnig. Ein schöner Tag, der mit Bier und Karten ausklang.

Samtag, unser 8. und letzer Tag vor der Abreise. Heute stand die größte Rundtour an, die wir uns vorgenommen haben. Der Französische Pässe Marathon mit ca. 270 Kilometer Rundstrecke und obendrauf ca. 140 km An- und Abreise zum Startpunkt in Colmar, Frankreich. Das Roadbook kann man sich auf den einschlägigen Motorradfahrer-Seiten z.B. http://www.kurvenkoenig.de aufs Navi herunterladen. In der Früh starteten wir direkt nach dem Frühstück, um überhaupt die gesamte Tour zu schaffen. Es war ein Traum: die Aussicht, die sehr gut ausgebauten Straßen und die Kurven der französischen Pässe. Wieder ein Punkt den man in seinem Motorradfahrleben einmal gemacht haben muss. Check. An diesem Tag fihren wir insgesamt 250 km Pässe, rauf und wieder runter. Ein kurzer Kaffee und Kuchen Stop in einem kleinen Café auf einem Pass bauten wir ein. Die Aussicht war atemberaubend. Am Abend kamen wir spät aber glücklich wieder im Hotel an. Leider mussten wir schon packen. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen und die Pässe Revue passieren.

Am nächsten Tag ging es nach Hause. Unspektakulär über die Autobahn, wir hatten 550 km vor uns, die wir mit unseren Motorrädern zurücklegten.

Fazit: Definitiv werden wir nochmal in den Schwarzwald fahren. Noch lange nicht haben wir alle Straßen dort befahren. Jedem Motorradfahrer möchte ich ans Herz legen, dort mal gefahren zu sein. Definitiv habe ich sehr viel gelernt, über und mit meinem Motorrad. Ich fahre nun Kurven viel sicherer und besser, einfach eine tolle Erfahrung.

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4 Gedanken zu “Sommerurlaub im Schwarzwald – oder die Geschichte wie Lisa ausging, um Kurven zu lernen…

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