Ein Lobgesang auf 200 PS

200 PS. Ein Statement an alle Hater.

Kennt Ihr diesen Moment: „Wer braucht schon ein Motorrad mit 200 PS?“ raunt mal wieder Einer am Stammtisch. Die Anderen, abwinkend, absolut einer Meinung: „Ach…“, „Niemand!“, „So ein Quatsch, brauch‘ mer ned!“, „Die Leistung kriegst Du doch gar nicht auf die Straße…“ Und das Killerargument: „Ich fahre ja eh lieber Kurven.“ Innerlich sträuben sich mir die Haare, die Fingernägel krallen sich am Tisch fest, die Zähne kauen auf der Tischplatte, ein Augenlied zuckt. „Tja, doch, die Leistung brauchen wir. Du bekommst sie sogar locker auf die Straße, Schisser. Und – Oh-Gott-Emoji – stell Dir vor, Kurven fahre ich damit auch!“ Aber das denke ich mir immer nur. Text & Fotos: Tobias Vögerl

Mein erster Moment auf der BMW S 1000 RR war unbeschreiblich. Ehrfürchtig bestaunte ich die schlanke und zierliche Maschine. Kaum größer als eine 125er. Aber was ein Hinterreifen. Und die Seitenverkleidung, die Haifischkiemen so sehr ähnelt. Das spitze Heck, die zierliche Front, eine mächtige Schwinge. In dunklem Anthrazit stand sie da, glänzte in der Sonne, lachte mir zu. Zart berührte ich sie mit den Fingerspitzen. Streichelte über den Tank, über das Heck, betastete den Sitz. Vorsichtig, bedächtig. Der Motor sprang sofort an, brabbelte vor sich hin, lud mich ein auf eine Fahrt, die ich nie vergessen werde. Ich ließ die Kupplung los, die BMW rollte an und ich wusste sofort: Diese Maschine und Du, sonst nichts. Ein einzigartiger und epischer Moment. Zusammen mit dem Vorbesitzer fuhr ich aus dem kleinen Eifeldorf. Er auf der CBR 600 seiner Freundin voraus, ich hinterher. Der Moment als ich das Gas aufriss… Er ist nicht in Worte fassen. Als wenn Dir einer in die Magengrube haut, nur dass es nicht schmerzt, sondern tausend Schmetterlinge vor Glück explodieren. Ein Aha-Effekt, der mich bis jetzt nicht nochmal ereilt hat. Über die Straßen der Eifel fuhren wir berghoch, lange Links, kurze Rechts, bergab nochmal rechts und dann hart rechts in das nächste Dorf rein.

200 PS waren eine Größe, die ich so noch nicht mal von Autos kannte. Das Gefühl auf der Landstraße beschreibt auch nicht einmal annähernd das Gefühl, das ich auf der Autobahn hatte. Nach kurzer Zeit auf der S 1000 RR fühle ich mich wie in einer Blase, in der meine eigene Zeit existiert und die von den anderen abgeschirmt ist. Der Unterschied zwischen einem 40 PS Daihatsu, einem 500 PS Porsche und der S 1000 RR ist, dass die Tausender tatsächlich in ihrer eigenen Dimension fährt. Du schaffst es mit Deiner Karre in knapp über 7 Sekunden auf 100? Lächerlich. Da hat die BMW schon 200 auf der Uhr stehen.

Das Problem mit den 200 PS ist, dass ich erst nach etwa 2000 Kilometern merkte, dass ich noch nie Vollgas gegeben hatte. Im Straßenmodus nimmt die Maschine das Gas etwas verzögert an – im Regenmodus sogar übertrieben verzögert. Aber im Race-Mode schaut die Welt schon anders aus. Spontane und relativ direkte Gasannahme, ein kürzerer Hub bis Volllast. Dann, werte Highspeed-Freunde, bäumt sich die Tausender auch bei 230 bis 250 noch frech und kurz auf. Und wie sich das anfühlt, kann man nicht mit Worten beschreiben. Brav und beherrschbar hebt sie in Schräglage sogar noch bei Tempo 250 das Vorderrad, so unfassbar prescht das Ding nach vorn. Und Ihr wollt mir wirklich erzählen, dass 200 PS nicht geil sind? Ernsthaft?

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6 Gedanken zu “Ein Lobgesang auf 200 PS

  1. Ich fahre bisher nur eine 650er. ich dachte immer das reicht…Hatte bisher nur einmal das vergnügen (das ist nicht das richtige wort.besser als vergnügen,wäre passender) eine 1000er zu fahren und weiss seit dem,
    „Doch mehr braucht man 🙂 „

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