Quickshifter Einbaututorial Yamaha R6

Was heute bei neuen Motorrädern immer häufiger zur Serienausstattung gehört, war vor  Jahren noch alles andere als normal. Die Rede ist von Schaltautomaten. Seit der Intermot 2016 in Köln gibt es keine 1000er Supersportler mehr, die keinen besitzt. Unterschiede gibt es allerdings. Während man bei den einen Modellen ohne Kupplung nur Hochschalten kann, ist es bei gewissen Modellen (z. B. BMW S1000RR) auch möglich,  kupplungslos runter zu schalten. Der Zubehörmarkt hat nicht geschlafen und bietet viele sogenannte „Quickshifter“ zum nachrüsten an. Ich habe an meinem Motorrad ebenfalls einen verbaut, und soviel soll schonmal gesagt sein – ich möchte nicht mehr ohne. (Bild und Text Lino Nipkow)

Was genau macht ein Quickshifter? Es ist ganz einfach. Am Schaltgestänge wird ein Sensor angebracht, der bei Druck ein Signal an ein externes Steuergerät, das selbstverständlich bei allen Produkten mitgeliefert wird, weitergibt. Das Steuergerät wiederum ist mit den Zündspulen verbunden. Der Impuls wird an diese weitergeleitet, und die Zündung wird – je nach dem für 50 bis 100 Millisekunden – unterbrochen. Durch die Zündunterbrechung wird das Getriebe entlastet und der nächste Gang sauber und schnell eingelegt. Es gibt auch Systeme, die nicht die Zündung, sondern die Einspritzung unterbrechen. Zudem gibt es praktisch keinen Lastwechsel, wodurch keine Unruhe im Fahrwerk entsteht. Das Ganze kommt aus dem Rennsport, und ist eigentlich dafür gedacht, die Rundenzeiten zu verbessern. Der Faktor Zeitgewinn ist für den Strassenverkehr natürlich kompletter Blödsinn, aber es ist einfach ein geiles Gefühl, die Gänge durchzuklopfen.

Nun zum Einbau. Ich besitze eine Yamaha YZF-R6 RJ15, Baujahr 2008. Ich habe mich für das Produkt der Marke „Healtech Electronics“ entschieden, genauer den iQSE-1. Als einziger auf dem Markt lässt er sich per Bluetooth über ein Apple- oder Androidsmartphone einfach und übersichtlich einstellen. Die Installation erfolgt per plug and play, man muss also keine Kabel zerschneiden und wieder zusammenlöten. Zudem lässt sich das System ganz einfach durch einen Übergangsstecker ausschalten. Der Preis in der Schweiz liegt bei 400 CHF. Im Lieferumfang ist alles enthalten was man braucht: Das kleine Steuergerät, der Sensor für das Schaltgestänge, der Kabelbaum für die Zündkerzen sowie ein Erdungskabel und der Übergangsstecker für die Überbrückung des Systems.

qse_002(Quelle: Healtech Electronics)

Es ist zu sagen, dass ich kein Motorradmechaniker bin! Den Quickshifter selber einzubauen habe ich mich nur getraut, da mein Freund Luca Bodmer diesen Beruf ausübt. Durch Ihn hatte ich etwas Vorwissen. Wenn man einen Supersportler besitzt und keine Ahnung davon hat, was sich eigentlich unter dem Tank befindet (dieser muss unter anderem entfernt werden), sollte man das ganze unbedingt von einem gelernten Mechaniker machen lassen. Bei Nakedbikes beispielsweise ist es um einiges einfacher, denn man kommt meistens von der Seite an die Zündkerzenstecker ran. Wichtig: Ein falsch eingestellter Quickshifter lässt das Getriebe ziemlich schnell das zeitliche segnen!

1. Zuerst muss der Tank komplett entfernt werden. Dafür muss bei der R6 der Sattel abgeschraubt werden. Dann sieht man je eine Schraube, die die Tankverkleidung mit dem Benzintank verbinden. Diese, sowie die Schraube am Tank hinter dem Lenker werden rausgedreht und sorgfältig zur Seite gelegt. Jetzt kann man die beiden schwarzen Verkleidungen entfernen. Darunter kommt links und rechts wieder eine Schraube zum Vorschein. Diese müssen ebenfalls entfernt werden. Nun kann man den Tank hochkippen, er hält nur noch an den Schläuchen darunter und einer langen Schraube unter dem Sattel.

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Um die Schläuche und Kabel unter dem Tank problemlos abzuhängen, klemmt man am besten eine Stange o. ä. zwischen Tank und der darunter liegenden Airbox.

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Man kann sich auch jemanden zur Hilfe holen, der den Tank hält. Dann kann man bequem die Lüftungsschläuche, den Benzinschlauch (es wird etwas Sprit herauslaufen, am besten Papier bereithalten) und die zwei Stecker trennen. Ruhig jetzt ein Foto mit dem Handy machen, so dass man beim Zusammenbau nichts verwechselt. Ist man soweit, kann der Tank wieder abgesenkt, die grosse Schraube gelöst und der Tank bequem entfernt werden. Er wird sorgfältig auf eine saubere Stelle gelegt.

2. Jetzt muss die Airbox weg. Zuerst den Deckel lösen, in dem sich die Einspritzdüsen befinden. Den Benzinschlauch und den weissen Stecker entfernt man danach. Auch hier wird etwas Benzin rauslaufen, was wieder normal ist. Das Benzin fängt man mit etwas Haushaltspapier auf. Nun löst man alle Schrauben, die den Deckel halten. Auch diese Schrauben sind zur Seite zu legen. Dann lässt er sich problemlos entfernen. Wenn man den Airboxdeckel vorsichtig umdreht, wird man die vier Einspritzdüsen sehen.

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Die Airbox
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Der umgedrehte Airboxdeckel mit den vier Einspritzdüsen
Es ist natürlich wichtig, dass alle Teile sauber bleiben, deshalb sollte die Airbox ebenfalls sauber zwischengelagert werden. Jetzt sieht man auf den unteren Teil der Airbox. Den Luftfilter (Rot), und die vier Ansaugtrichter.

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Diese Einheit wird von sechs Schrauben zwischen den Ansaugtrichtern gehalten. Allerdings führen auch noch zwei dicke Luftschläuche davon weg. Den einen sieht man von oben, und den sollte man schon lösen. Der Zweite befindet sich unter dem Gehäuse. Wenn man die Schrauben gelöst hat, muss man die Kiste vorsichtig hochheben.

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Der untere Teil der Airbox wird von sechs Schrauben gehalten, die sich zwischen den Ansaugtrichtern befinden
Dann sieht man den zweiten Schlauch, und man kann auch diesen abnehmen. Hat man das gemacht, lässt sich die ganze Einheit entfernen und man hat Sicht auf die Drosselklappeneinheit. Die Drosselklappen dürfen nicht verschmutzt werden, deshalb sollte man sie mit etwas Papier schützen.

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3. Jetzt können wir uns Zugang zu den Zündkerzen verschaffen. Dafür muss die schwarze Abdeckung entfernt werden.

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Darunter kommt eine schwarze Isoliermatte zum Vorschein. Rollt man diese vorsichtig zurück, sieht man endlich auf die vier Zündkerzen. Es ist nicht wirklich viel Raum vorhanden, und ich dachte mir zuerst dass der Einbau deswegen vielleicht gar nicht geht, aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht.

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Unter der Isoliermatte ist es extrem eng. Der Schraubenzieher ist auf einen Zündkerzenstecker gerichtet.
4. An jeder Zündkerze befindet sich je ein Stecker, den man lösen muss. An dem Kabelbaum des Quickshifters befinden sich pro Zylinder immer zwei Stecker. Den einen verbindet man mit dem, der vorher an der Zündkerze war, der andere kommt an die Zündkerze. Wichtig: Ein Stecker hat eine rote Markierung. Dieser muss unbedingt an den ersten Zylinder (vom Heck gesehen links). Das ging aus der Bedienungsanleitung nicht hervor, und hat dazu geführt dass die R6 zuerst nicht mehr angesprungen ist – ein Schockmoment. Als Folge musste ich das ganze Prozedere nochmals durchgehen. Es ist auch wichtig, jeweils nur einen Zylinder ab- und anzustecken. So entsteht kein Chaos in dem kleinen Raum. Am besten arbeitet man sich von links nach rechts durch. Hat man alle Kerzen an das System angehängt, sollte man überprüfen, dass die Stecker wirklich zusammengesteckt sind. Auf den Kabeln darf kein Zug wirken, und sie dürfen auch nicht geknickt sein. Die Zündkerzen befinden sich hinter dem Kühlergrill und den Ventilatoren. Es wäre verheerend, wenn ein Kabel dort reinkäme. Deshalb muss man sie vorsichtig mit Kabelbindern sichern. Diese werden ebenfalls mitgeliefert. Man sollte sie einfach mit Gefühl anziehen, nicht dass ein grosser Druck auf das Kabel herrscht.

5. Jetzt muss man den Kabelbaum verlegen. Dazu legt man das Steuergerät unter den Sitz, also führt man die Kabel in diese Richtung. Auch hier ist es wichtig, dass sie nicht knicken oder stark gespannt sind. Sie müssen sich so weit von Hitzequellen entfernt befinden wie es geht. Die Kabelbinder werden ebenfalls wieder gebraucht um die Kabel zu sichern. Am Kabelbaum befindet sich eine Erdung. Diese muss an Masse geschlossen werden. Auch das ist wichtig. Sie kommt an den Rahmen, Motorblock oder die Batterie.

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Die Erdung
Zum Schluss wird der Endstecker des Kabelbaumes an das Steuergerät angeschlossen.

6. Der Sensor muss auch noch montiert werden. Dieser kommt an das obere Ende des Schaltgestänges. Dafür wird eine längere Schraube benötigt, die mitgeliefert wird. Es sind auch zwei Unterlegscheiben dabei. Es kommt jeweils eine unten und eine oben an den Sensor.

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Der Sensor ist sehr klein und unauffällig
Es ist wichtig, dass man den Sensor nicht zu fest, aber auch nicht zu wenig anzieht. Healtech gibt 7 Newtonmeter Drehmoment an – an diesen Wert muss man sich halten. Die Verwendung eines Drehmomentschlüssels ist empfohlen. Das Kabel des Sensors wird auch Richtung Steuergerät geführt, angesteckt und per Kabelbinder gesichert. Nun ist das System angeschlossen.

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Die Kabel sind eingesteckt, der Stromkreislauf geschlossen
7. Jetzt wird alles zurückgebaut (siehe Punkt 3, 2 und 1). Es ist noch empfehlenswert zu kontrollieren, ob der Gaszug sauber läuft, weil dieser gleich bei der Isoliermatte vorbeiläuft.

Bevor man den Tank endgültig fixiert und den Sattel wieder anschraubt, sollte man das Motorrad anschalten. So kann man sichergehen, dass alles läuft. Falls nicht, hätte man etwas weniger Arbeit vor sich ;).

Das Fazit

Die Installation an sich ist eigentlich ziemlich einfach, erfordert aber sauberes, vorsichtiges Arbeiten und etwas Zeit. Ich habe – wie oben schon erwähnt – den ersten Zylinder falsch angeschlossen. Dadurch ist das Motorrad nicht mehr angesprungen, und das war echt kein schöner Moment, denn es standen drei Tage Mugello vor mir. Glücklicherweise hat es dann aber doch funktioniert. Der erste Turn in Mugello war nicht wirklich optimal, denn das System hat immer wieder von alleine die Zündung unterbrochen. Wenn das bei 240km/h passiert, verliert man schnell das Vertrauen. Deshalb ging ich fix wieder raus und verringerte die Sensorensensibilität. Das ging dank der App von Healtech sehr flott und einfach. Kaum auf der Piste und siehe da – das Problem war gelöst! Da die Gangwechsel zuerst noch etwas hart waren, veränderte ich die Unterbrechungszeiten. Endlich funktionierte der Quickshifter so wie er sollte! Einfach nur geil, ab etwa 9000 Umdrehungen merkt man nichts mehr vom Gangwechsel, darunter ein kurzes Ruckeln, aber völlig akzeptabel. Den Quickshifter benutze ich nun seit ungefähr 3000 Kilometern – und bin immer noch sehr zufrieden!

Es lohnt sich wirklich so ein System nachzurüsten, wenn es serienmässig noch nicht verbaut ist. Ich würde es auf jeden Fall wieder tun!

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Ein Gedanke zu “Quickshifter Einbaututorial Yamaha R6

  1. Guten Tag

    Ich habe auch diesen Quickshifter an meine R6 rj15 montiert. Klappt ales sehr gut jedoch würde ich mich über deine Unterbrechunszeiten freuen da es bei mir zwar sehr gut funktioniert aber sicher noch besser gehen könnte.
    Vielen Dank für deine Antwort 🙂

    E schön obe wönschi

    Lg
    David

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