Ein Gedenken für alle toten Biker

Die Eifel ist eine der schönsten Motorradgegenden der Welt. Am Wochenende tummeln sich dort zur Hochsaison im Sommer allerdings tausende Touristen mit riesigen Campern und noch viel mehr Biker, die die Straße mit der Rennstrecke verwechseln. Unzählige Tote fordern alleine die Kurven in der Eifel Jahr für Jahr. Eine traurige Bilanz. Manche Motorradclubs oder Gruppen feiern die Verstorbenen als „Gefallene“ und „Kameraden“, gar als „Helden“. Text: Tobias Vögerl. Fotos: Tobias Vögerl, Nina Siermann @tinke.rr.ebell

Junge Menschen hinterlassen ihre Eltern, Väter und Mütter ihre Kinder. Das ist unendlich traurig. Dies in einer Art und Weise zu zelebrieren, wie es im Moment oft in den sozialen Netzwerken zu sehen ist – etwas daran gefällt mir nicht. Ein Spruch ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: If I die, I died with a smile. Zu Deutsch: Falls ich sterbe, starb ich mit einem Lächeln. Jungs und Mädels: Das ist schlicht falsch. Noch nie habe ich mit jemandem gesprochen der sagte, er hätte bei seinem Unfall gelächelt – zumindest nicht im Straßenverkehr. Andrea Iannone mag das auf der Rennstrecke mit seiner MotoGP sicherlich anders sehen – auf der Straße ist fast jeder Unfall mit schlimmen Verletzungen verbunden. Schon in der Fahrschule haben wir gelernt, dass Unfälle sogar bei etwas über 30 km/h tödlich sein können. 2015 verstarb ein junger Biker unverschuldet in der Düsseldorfer Innenstadt bei einem Unfall mit etwa 50 km/h. Oder anders gesagt: Wenn Du stirbst, hast Du ausgelächelt. Noch schlimmer wird es, wenn Andere für das eigene Fehlverhalten büßen müssen. Dabei reichen bereits einige Sekunden Unachtsamkeit.

Es geht nicht darum, die Gedenkaktionen für die einzelnen Biker zu missbilligen, also drängt mich und diesen Beitrag bitte nicht in diese Ecke. Jeder Mensch hat Respekt verdient. Es geht aber darum, die Art und Weise der Zelebrierung zu hinterfragen – und die Einstellung mancher Biker, die aufgrund jugendlichen Leichtsinns oder Selbstüberschätzung zu Tode rasen. Ihr seid nicht John McGuinness. Ihr seid nicht mal halb so gut. Bevor Ihr einmal um die Isle of Man seid, haben Euch Hutchie und Co. bereits zweimal überrundet. Und spätestens nach einer Runde brauchen die meisten von Euch sowieso Sauerstoffzelte. Also hat sich das mit dem Heldentod schon mal gleich erledigt.

Liebe Biker – wollt Ihr es mal so richtig krachen lassen, haltet Euch fit und macht das auf der Rennstrecke. Das ist nicht teuer. Wendet Euch an einen Renninstruktor oder eines der vielen Teams, die Renntrainings anbieten. Für wenige 100 Euro seid Ihr dabei, in vielen Fällen sogar kostenlos zum Schnuppern. Einfach ein wenig mit den Leuten ins Gespräch kommen. Ihr werdet schnell merken: In Sachen Speed seid Ihr arme Wichte, die noch nie wirklich Motorrad gefahren sind. Rennfahrer sind deswegen Rennfahrer, weil sie etwas können, das Du nicht kannst: Konstant am eigenen Limit und dem Limit der Maschine fahren. Fehlerfrei. 25 Runden am Stück innerhalb eines Zeitfensters von drei bis vier Sekunden.

Hier eine unvollständige Auswahl an Anbietern für Renntrainings:

In diesem Sinne bitte ich Euch in Gedenken all der toten Biker, die Ihr Leben gelassen haben – fahrt vernünftig. Damit Ihr nicht die Nächsten seid. Und setzt Euch mal mit den Hinterbliebenen auseinander. Sprecht mit Ihnen, falls möglich. Spendet nicht nur Eure Worte im Internet. Bitte helft Organisationen wie MehrSi (Facebook: @mehrsi ), der Rennleitung #110 (Facebook: @rennleitung110 ), den Biker4Kids (Facebook: @biker4kids ), den Heels on Wheels oder wem auch immer. Aber bitte unterstützt diese Projekte. Sie tun es für uns alle.

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(c) Nina Siermann @tinke.rr.ebell
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2 Gedanken zu “Ein Gedenken für alle toten Biker

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