Menschen im Fokus: Daniela Weingartner

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Rennsport-Amazone Daniela Weingartner und Ihr Einsatzgerät: Die Yamaha YZF-R6. Foto: http://www.daniela-weingartner.de


Sich als Frau im Rennsport die Sporen zu verdienen… Dazu gehört Mut, Durchsetzungsvermögen, ein fester Wille und der Glaube an sich selbst. Daniela Weingartner geht in Ihrem Sport sogar einen Schritt weiter: Sie braucht keinen Überrollkäfig, wozu auch? Sie fährt Motorradrennen. Text: Tobias Vögerl, Fotos: Tobias Vögerl, Daniela Weingartner.

Gleich in zwei Klassen tritt die sympathische Münchnerin an: In der Alpe Adria und im R6-Cup der SuperbikeIDM mit Ihrer Yamaha YZF-R6. 2016 unternahm Daniela sogar einen Ausflug zu Suzuki, wo Sie leider nicht Fuß fassen konnte. Trotzdem lässt Sie den Kopf nicht hängen. Die Faszination Motorrad in Ihr ist zu groß. Während Daniela nach einer langen Saison in wohlverdientem Urlaub war, haben wir Ihr dreisterweise ein paar Fragen gestellt.

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Breites Grinsen bei Daniela und Tobias (von links) während des Pitwalks auf dem Nürburgring.

Tobias: Wie alt warst Du, als Du mit dem Motorrad fahren angefangen hast und welchen Einfluss übten Deine Eltern auf Deine Entwicklung als Rennfahrerin aus?

Daniela: Obwohl dank Eltern mit Pferden statt mit motorisierten Pferdestärken aufgewachsen, hatte ich schon immer Benzin im Blut. Beim Anblick von vorbei rasenden Superbikes bekam ich immer eine Gänsehaut. Mit 16 sah ich zum ersten Mal eine rot-weiße Yamaha R1 auf einem Parkplatz. Es war Liebe auf den ersten Blick. Aufgrund meines Abiturs und Studiums fehlte mir leider zuerst das Geld für ein Motorrad. Als ich 24 war, saß ich dann schließlich zum allerersten Mal auf der Yamaha R1 eines Bekannten.

Ab diesem Zeitpunkt war ich infiziert und es nahm einen turbulenten Lauf: Ich beschloß, mir ad hoc ein Motorrad zuzulegen. Nach drei Tagen Recherche fiel meine Wahl auf eine Yamaha R1 RN01, also die Ur-R1 – das erste wahre Superbike – in welches ich mich vor acht Jahren bereits Hals über Kopf verliebt hatte. Ohne Wissen meiner Familie und ohne Führerschein kaufte ich sie und alle hielten mich nun für endgültig übergeschnappt. Denn als anfängergeeignet konnte man das Biest beim besten Willen nicht bezeichnen. Aber mein Ehrgeiz war geweckt.

In einer Rekordzeit machte ich den Führerschein, konnte nach zwei Wochen Training auf der Straße bereits mit dem Knie um die Kurven schleifen, übte eine weitere Woche später gleich einen Highsider spektakulär darzubieten – und nachdem alle Schrammen von Roß und Reiter verbunden waren, drehte ich meine ersten Rennstreckenkilometer vier Wochen nach Führerscheinerwerb. Eine ganz neue Welt eröffnete sich mir und für mich zählte nur noch der sportliche Wettbewerb auf der Rennstrecke. Meine Eltern waren darüber natürlich gar nicht erfreut, tolerierten allerdings mein gefährliches Hobby.

Tobias: Was war bis jetzt Dein schönstes oder schlimmstes Erlebnis auf der Rennstrecke?

Daniela: Eines meiner schönsten Erlebnisse war eines meiner Rennen in Brno 2013. Es lief alles so einfach, so dass ich mich nicht mal anstrengen musste um in diesem Rennen eine 2:11:9 mit meiner Yamaha R6 zu fahren. Ich bin zwei Rennen hintereinander gefahren und eigentlich war ich nach dem ersten Rennen schon kaputt, entschloß mich dann allerdings auch noch das 12 Runden lange Supersport-Rennen wenigstens zu starten. Den Start habe ich erst mal verhauen, aber es lief plötzlich so gut, dass ich mit einer Unbeschwertheit Platz um Platz wieder gut machte, mich um jede Runde steigerte und schließlich den 2. Platz nur um einen Bruchteil einer Sekunde verfehlte.

Schon eine Woche später musste ich mein schlimmstes Erlebnis in Oschersleben erleben. Die Strecke war neu für mich und bereits im dritten Turn hatte ich einen Highsider, den ich zwar abfangen konnte – aber nur eine Sekunde später warf mich das Motorrad doch in einem hohen Bogen in die Luft. Ich landete nur mit meiner linken Ferse aus zwei Metern Höhe auf dem Asphalt. Schon beim Einschlag merkte ich, dass das gar nicht gut war und während ich wimmernd im Kies lag, verstärkte sich mein Eindruck. Ich hatte noch nie solche Schmerzen und diese Schmerzen sollten mich noch sehr lange Zeit begleiten. Ich zertrümmerte mir in ca. 50 Teile das linke Fersenbein und das untere Sprunggelenk, was mir eine Platte und 10 Schrauben einbrachte. Ein langer, sehr schmerzhafter Leidensweg stand mir bevor, der mich allerdings zu kämpfen lehrte. Freud und Leid liegen im Rennsport nahe beieinander.

Tobias: Wie teuer ist eine komplette Rennsportsaison und war es einfach, dafür Sponsoren zu finden?

Daniela: Ich habe mir schon vor langer Zeit abgewöhnt, genau nachzurechnen, was ich für den Rennsport ausgegeben habe. Sonst wird mir immer ganz schlecht. Wenn ich schätzen müsste, habe ich etwa 15.000 bis 20.000 Euro für meine Saison ausgegeben. Aber dafür muss man schon richtig sparen. Nur ein Satz neuer Reifen pro Wochenende, alles selbst schrauben, selbst lackieren, keine Box, kein Hotel und auch sonst habe ich darauf geachtet alle Kosten niedrig zu halten. Finanziell habe ich alles selbst gestemmt. Meine Sponsoren kamen mir auf anderen Wegen entgegen, worüber ich sehr dankbar bin.

Tobias: Dein Erlebnis auf der Suzuki bei der SuperbikeIDM war leider ernüchternd. Woran lag es, dass Du und die Maschine nicht harmoniert haben?

Daniela: Die Suzuki ist sicherlich kein schlechtes Motorrad, aber es war mir nicht möglich, mich von einem Tag auf den anderen ohne vorheriges Training auf eine neue Marke umzustellen. Zusätzlich habe ich auch meinen gewohnten Fahrwerkstechniker Herbert Strassmaier vermisst, der mich sonst immer betreute. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl mit der Suzuki und konnte mich nicht so schnell auf das neue Motorrad umstellen. Ich bin jahrelang Yamaha gefahren und fühle mich nach wie vor auf dieser Marke am wohlsten. Im Endeffekt habe ich mich dafür entschieden, den großen Vorteil eines Teams aufzugeben, um beim Fahren glücklich zu sein.

Tobias: Was gibt Dir die Motivation weiterzumachen?

Daniela: Nach dieser anstrengenden Saison bin ich nun erst einmal froh, ein wenig Pause zu haben. Aber sobald die ersten Sonnenstrahlen wieder raus kommen und ich die ersten röhrenden Auspuffanlagen vorbeirasender Motorräder höre, packt mich die Sehnsucht nach Adrenalin und Geschwindigkeit wieder.

Tobias: Soweit ich weiß, bist Du ja immer alleine unterwegs. Wenn Du jemanden zu all Deinen Rennen mitnehmen könntest, wer wäre das?

Daniela: Wenn ich jemand bei all meinen Rennen mitnehmen könnte, wäre das meine Mutter. Sie war das allererste Mal beim Abschluss-Event der IDM in Hockenheim in diesem Jahr dabei. Sie hat zwar keinerlei Ahnung vom Motorsport, aber es ist so viel mehr wert, jemand bei sich zu haben, der an Einen glaubt! Danke, Mama! 😗

Tobias: Daniela – Hand aufs Herz: Heißt es bayerisch oder bayrisch?

Daniela: Es heißt natürlich Boarisch! Bayerisch oder bayrisch soagn nur de Preißn! 🙂

Tobias: Weißwurst zuzeln oder nicht?

Daniela: Ich bin zwar zu 100% boarisch, aber ich mag weder Bier noch Weißwürste. Deshalb weder zuzeln noch sonst was. 🙂

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