IDM, WSBK, BSB, MotoGP… Blickt Ihr noch durch?

Wie bei den Autos gibt es auch für Motorräder verschiedene Rennserien. In unserem Blogbeitrag erklären wir Euch, welche Unterschiede es zwischen den vielfältigen Meisterschaften gibt, und – soweit möglich – wo Ihr diese verfolgen könnt. Text: Tobias Vögerl

 

IDM, oder auch SuperbikeIDM, ist nicht nur die Rennserie der deutschen Superbikes, es ist der Oberbegriff für eine ganze Serie an deutschen Motorradmeisterschaften. Darunter die hochgezüchteten Superbikes, die zusammen mit den Bikes der Superstock 1000 in einem Rennen fahren.

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Zwei Gridgirls vor Kevin Wahr’s (27) 2016er Suzuki GSX-R 600. Kevin Wahr ist der deutsche Superstock-Meister von 2013. Foto: SuperbikeIDM, Andreas Weinand

Der Unterschied ist, dass die Motorräder in der Superbike-Klasse deutlich stärker getunt werden dürfen, als in der Superstock-Klasse. Bei einem Gespräch mit einem Mechaniker am Nürburgring 2016 beim Anlassen bezifferte er die ungefähren Kosten für ein Spitzen-Superbike auf weit über 45.000 Euro bis zu 90.000 Euro. Einige Teams entscheiden sich deshalb aus Kostengründen für die Superstock 1000. Mit um die 36.000 Euro liegt man preislich deutlich unter den Superbikes.

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# 63 Jan Halbich auf seiner Honda CBR 1000 RR in Aktion. Foto: Andreas Weinand

Während des Rennwochenendes erlebt man noch die Superstock 600, die Sidecars und den Yamaha R6-Cup. Ein Besuch übers Wochenende lohnt sich also auf jeden Fall, man bekommt viele verschiedene Motorräder zu sehen.

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Hockenheimring, Sidecar #8. Foto: SuperbikeIDM

Ein echtes Highlight ist dabei der Pitwalk am Nürburgring, bei dem man viele Piloten, Mechaniker und andere aus der Rennwelt live kennenlernen kann. Der Eine oder Andere ist einem – meist kurzen – Gespräch nicht abgeneigt. Markus „Reiti“ Reiterberger wechselte nach seiner zweiten Superbike-Meisterschaft auf der BMW S 1000 RR im Jahr 2015 von der SuperbikeIDM in die WSBK.

Aktuell wird die SuperbikeIDM bedauerlicherweise nicht im Fernsehen übertragen.

 

WSBK, auch SBKWorld Superbike oder Superbike-Weltmeisterschaft genannt, ist die Weltmeisterschaft für seriennahe Motorräder. Es ist somit die Königsklasse der regionalen Landesmeisterschaften, wie der IDM und der BSB. Aufgrund der Vielfalt der Motorräder gibt es Regeln, die Chancengleichheit unter den Herstellern garantieren sollen.

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#21 Reiti auf seiner Althea BMW beim Test in Jerez, Spanien 2017. Foto: WSBK

Durch die hohen Tuning- und Entwicklungskosten der Zweizylindertechnik geraten diese Motorräder aktuell etwas ins Hintertreffen. Mit Sicherheit spielt die Politik (Stichwort Euro-Normen) ebenfalls eine wichtige Rolle. Meiner Meinung nach werden Zweizylinder-Superbikes in Zukunft nur noch die Exoten unter den Exoten sein, da sie nicht mehr lange gebaut werden. Man spekuliert, dass Ducati 2017 / 2018, spätestens 2019 einen Superbike-V4 vorstellen wird. Aus diesem Grund heißt es: Wer also noch Zweizylinder-Bikes in der SBK sehen und hören möchte: Nutze Deine Chance! 2015 und 2016 war die Kawasaki ZX10-R von Jonathan Rea kaum zu schlagen.

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Hat gute Laune: Der amtierende Weltmeister Jonathan Rea (feierte am 2. Februar seinen 30. Geburtstag) auf seiner Kawasaki ZX10-R Ninja beim Jerez-Wintertest im November 2016. Foto: WSBK
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Bemängelte nach den ersten Tests die Spitzenleistung seiner Honda: Der Deutsche Stefan Bradl (27) wechselte nach mehreren Jahren in der MotoGP zur WSBK. Foto: WSBK

Die WSBK definiert sich ebenfalls nicht nur über die Rennen der Superbikes. Analog zur IDM gibt es die weit günstigeren Bikes der Superstock 1000. In der Weltmeisterschaft der  600-Kubik-Klasse der Supersport-Bikes, WSSP genannt, fährt beispielsweise Kenan Sofuoğlu (31). Seines Zeichens WSBK-Weltmeister von 2007 und inoffizieller Straßengeschwindigkeitsweltrekordhalter. Er erreichte vermutlich als erster Mensch überhaupt eine Geschwindigkeit von 400 km/h auf einem Motorrad. Genauso wie die Superstock 1000 sind auch die Supersport-Bikes näher an einem Serienmotorrad, als die Klasse der bis aufs Maximum getunten Superbikes. Obendrein gibt es noch den European Junior Cup, der auf identischen Honda CBR 650 F ausgetragen wird. Die Teilnahme ist ab 14 Jahren möglich.

Im TV übertragen werden die Rennen – Stand Februar 2017 – bis 2019 auf Eurosport. Allerdings ist die Übertragung bei weitem nicht regelmäßig. Stattdessen wird schon mal die dritte Wiederholung eines Pferderennens von 1960 gezeigt.

 

Die BSB bezeichnet die Rennserie der British Superbike. Die BSB ist ähnlich der WSBK in Unterklassen eingeteilt. Neben der britischen Superbike-Meisterschaft wird der Meister in der Superstock 1000, der Superstock 600, dem RC-Cup auf KTM RC 390 und dem Motostar-Cup auf Moto3-Standard-Bikes und Moto3-GP-Bikes gesucht.

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Es geht heiß her in der BSB. Ist das nicht ein geiles Foto: BSB auf Facebook

Die BSB-Übertragungen im Fernsehen für 2017 stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Vermutlich findet wie in der IDM keine Übertragung statt.

MotoGP heißt die Königsklasse aller Motorradfans. In dieser Rennveranstaltung fahren ausschließlich Viertakt-Prototypen-Motorräder. Die Entwicklung dieser Prototypen hatte und hat erheblichen Einfluss auf die Entwicklung unserer heutigen Motorräder. Schwingentechnik, Auspuffführung, Motorentwicklung, das Fahrwerk. Nahezu alles, was in heutigen Maschinen verbaut wird, stammt irgendwie aus der MotoGP. Umgekehrt haben die heutigen MotoGP-Maschinen mit einem herkömmlichen Straßenmotorrad bis auf Motorrad im Namen, ein ähnliches Aussehen und zwei Rädern kaum was zu tun. Der Unterschied kann als ähnlich groß bezeichnet werden, wie der von einem Formel 1 zu einem Fiat 500.

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Das Movistar Yamaha MotoGP-Team wird pilotiert von #25 Maverick Viñales (21) und #46 Valentino Rossi (37). Foto: MotoGP.com

Die MotoGP ist unterteilt in drei Klassen: Als Einsteigerklasse dient die erst seit 2012 existierende Moto3, deren Einzylinder mit 250 ccm Hubraum Spitzenleistungen abgeben. Bei einem Mindestgewicht von 148 kg. Wer jetzt denkt das sei schwer – das ist bereits das Gewicht mit Fahrer – unfassbar, oder? Von der Moto3 gelangen die jungen Talente meistens in die zweithöchste Prototypenklasse, die Moto2. Dort erwarten die Piloten Vierzylinder-Viertakt-Motoren mit 600 ccm und einer Maximalausbeute von 136 PS. Das Mindestgewicht inklusive Fahrer beträgt hierbei 215 Kilogramm.

Erst nach einem oder mehreren Jahren des Beweisens in der Moto2 wechseln die herausragendsten Piloten in die MotoGP. Eine Ausnahme ist Marc Marquez, der direkt aus der Moto3 in die MotoGP wechselte und als Rookie auf der Honda Weltmeister wurde. Wer in der MotoGP ankommt, hat es geschafft. Denjenigen erwarten die größten Preisgelder und Motorräder mit deutlich über 240 PS. Bei Ducati munkelt man hinter vorgehaltener Hand sogar von 295 PS. Aus einem Liter Hubraum, komplett ohne Turboaufladung oder Kompressoren. Ist das nicht Wahnsinn? Der Einstufung als Open-Team sei Dank. Moment, Open-Team? Ja, denn die MotoGP-Klasse ist in Open- und Werks-Teams unterteilt. Für die Open-Teams gelten nicht ganz so strenge Regeln wie für die Werks-Teams. Sie dürfen mit mehr Tankinhalt fahren und weichere Hinterreifen nutzen. Dies hat Fairnessgründe, da sich viele Open-Teams die Entwicklung sonst nicht leisten könnten oder von den Werksteams und deren Budgets deklassiert würden. Generell gilt für alle Maschinen aber ein Mindestgewicht von 157 kg und ein Maximum von 4 Zylindern.

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Jorge Lorenzo in ungewohntem Rot: Er wechselte Anfang 2017 von Yamaha zu Ducati, um sich dort neue Motivation zu holen. Ob das was mit den angeblichen 20 Millionen zu tun hat, die er dort jährlich verdienen soll? Im Hintergrund Andrea Dovizioso. Foto: MotoGP.com

Im November 2016 kam es beim Wintertest in Jerez zu einem direkten Vergleich zwischen MotoGP und WSBK. Jonathan Rea deklassierte dabei nicht nur sämtliche Piloten auf den Superbikes, sondern auch die Rundenzeiten der vermeintlich schnelleren MotoGP-Piloten. Grund dafür war wahrscheinlich der Reifen, der für die Fabelzeit verwendet wurde. Während ein Reifen in der MotoGP ein komplettes Rennen, also über 60 Minuten, halten soll und auch im Qualifying kein anderer Reifen gefahren werden darf, fuhr Rea mit einem speziellen Reifen für Qualifyings. Der baut derart viel Grip auf, dass er nur für ein bis zwei schnelle Runden gut ist. So erklärt sich auch die Zeit. Dass die MotoGP keinen schnelleren Reifen fährt, hat außerdem vermutlich Sicherheitsgründe. Die Geschwindigkeiten in Kurven sind bereits so hoch, dass es für die Piloten einfach zu gefährlich wäre, noch schneller zu fahren. Eine ähnliche Entscheidung traf man 2012. Man entschloss, zu Motoren mit 1000 ccm zurückzukehren. Die leichteren und kompakteren 800 ccm-Motoren, die von 2007 an verwendet wurden, ermöglichten viel höhere Kurvengeschwindigkeiten. Das stellte ein Sicherheitsrisiko dar, da sich Unfälle in der MotoGP fast ausschließlich in Kurven ereignen.

ServusTV überträgt 2017 in Österreich alle Rennen, alle Qualifyings und alle Trainings der MotoGP live. Quelle: http://www.servustv.com/at/Sendungen/MotoGP-2017. Hoffen wir, dass der Sender so auch nach Deutschland eingespeist wird. Dann stellt er eine echte Alternative zu Eurosport dar.

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