Ordentlich Sand zwischen den Zähnen – über die Vorstellung und die Realität einer Quad-Tour durch die Wüste

Anfang April sind mein Partner und ich spontan beruflich nach Ägypten gereist und da konnten wir uns eine Sache natürlich nicht nehmen lassen: mal ordentlich durch die Wüste zu heizen. Da dies auf zwei Rädern aber nicht so easy ist, und wir unsere Maschinen auch nicht mitgenommen haben, gab es halt diesmal vier Räder unterm Hintern und zwar an einem Quad. Grundsätzlich bin ich ja eh ein Quad-Offroad-Fan und habe schon Ungarn und die Lüneburger Heide unsicher gemacht. Mein Freund ist durch den hohen Schwerpunkt noch kein so überzeugter Quad-Fahrer, hatte aber trotzdem Lust auf den Trip.

Direkt am ersten Tag in Ägypten buchten wir also unsere Quad-Sonnenuntergangs-Tour in der Nähe vom Sinaigebirge. Erst hieß es allerdings drei Drehtage am und im Wasser zu verbringen und sich auf das staubige Kontrastprogramm in der heißen Wüste zu freuen.

An besagtem Tag wurden wir dann mit einem Kleinbus eingesammelt und klapperten noch einige Hotels ab, um die restlichen Teilnehmer einzusammeln. Teilweise dachte ich in den falschen Bus gestiegen zu sein, wir waren von Familien mit Kleinkindern und Säuglingen umgeben. Wer fährt denn mit seinem Säugling Offroad? „Bestimmt wollen sie nur den Sonnenuntergang in der Wüste sehen“ dachte ich mir.

Endlich angekommen bekamen wir dann den vollen Einblick in das „Wüsten-Business“.

Nochmal ganz kurz zum Verständnis, meine Vorstellung sah ungefähr so aus: Mein Freund und ich fahren auf zwei Quads alleine durch die Wüste, von Düne zu Düne dem Sonnenuntergang entgegen und Sand zwischen den Zähnen – da wir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekämen.

So sah die bittere Realität aus: Es reihte sich eine Quadstube an die nächste und überall waren dutzende Quadfahrer schön hintereinander aufgereiht in Karawanen fahrend zu sehen.

Das sah mehr nach Massentourismus als nach individuellem Abenteuer aus.

Naja machen wir das Beste draus, dachten wir und setzten uns zu grölendem arabischen Techno in den Schatten und schauten uns um.

Lange Klamotten, feste Schuhe, Tuch und Sonnenbrille seien Pflicht wurde uns gesagt. Da schaute ich das junge Mädel in Crop Top und Jeansshorts mit Flipflops doch etwas verwirrt an und stellte mir vor, wie ihr Sonnenbrand auf die 3 Stunden Wüstensonne wohl reagieren wird. Also ein bunt gemischtes Publikum, zu dem doch auch die Familien mit den Säuglingen gehörten. Mann vorne, Kind in der Mitte, Frau hinten (kein Sozius Sitz vorhanden). Andere Länder, andere Sitten.

Endlich wurden wir auf die aufgereihten Quads verteilt und ich bekam natürlich eine Honda, yeah. Mein Freund als BMW Fanatiker auch, tja Pech gehabt, wenn BMW halt lieber überdachte Roller statt Quads herstellt.

Ich glaube wir sind Honda TRX 420 FE gefahren und die Quads waren grundlegend in einem guten Zustand, schön groß und gemütlich. Die Bereifung sah bei einigen nicht so gut aus und waren entweder mit zu viel oder sehr wenig Druck gefüllt. Die Hinterreifen der Dame vor mir eierten auch sehr verdächtig, hielten die Tour aber bis zum Ende durch.

Der Daumen-Gas-Hebel nahm sehr leicht an und auch nach einigen Stunden Fahrt schmerzte Gasgeben kein bisschen. Das habe ich schon ganz anders erlebt.

Es gab noch eine kleine Einweisung : „break here, gas here, 5 meters between the quads.“  Ja ne ist klar.

Dann ging es los und wir eierten im Entenmarsch Richtung Wüste! Nach und nach kam der Sand, die Berge, der Staub. Die Landschaft wurde immer spannender – nur die Fahrt kam nicht richtig in die Gänge. Ich hatte das Gefühl die Dame vor mir verwechselte die Bremse mit dem Gas und ich begann mich zunehmend unpassend zu verhalten. Tja so ist das halt bei mir, wenn mein Gas-Daumen juckt.

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Zusätzlich frustriend empfand ich das Show-Fahren unserer Begleiter. Schön Vollgas im tiefen Sand und über kleine Hügel springend, hielten sie mir vor Augen was ich gerade haben könnte.

Dann gab es endlich diesen einen Moment:

Mein Freund, der hinter mir gefahren ist, hielt für ein Foto an und wurde überholt. Als verantwortungsvoller Mensch, der ich nun mal bin, wartete ich also an der Seite auf ihn. Um die Ordnung wieder herzustellen, musste wir natürlich wieder an die richtige Stelle in der Karawane. Also ging es mit Vollgas durch den tiefen Sand neben der Spur an den anderen vorbei um dann wieder von der Dame vor mir ausgebremst zu werden (Ihr seht meine Reaktion ganz deutlich im GIF unten).                                                                          Aber es waren ca. 60 Sekunden echtes Offroad Feeling, Herrlich.

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Grundsätzlich war das Tempo zwischendurch aber echt ok und es gab wirklich viel zu sehen und die Atmosphäre zu genießen. Die Sonne, die uns entgegen schien und die Fahrer vor mir in staubige Silhouetten verwandelte. Die Berge um uns herum. Frei laufende Kamele und auch hin und wieder mal ein Kamelskelett schon fast im Sand vergraben.

All dies tröstete über das fehlende Adrenalin durch harter Offroad Aktion hinweg.

Zwischendurch gab es auch ein paar Stopps zum Umschauen, Sonnenuntergang bestaunen, Kamelreiten und Beduinen Dinner erleben, und so machten wir uns im Stockdunkeln auf den Rückweg.

Ich hatte das Glück, dass mein Quad Licht und sogar Rücklicht hatte. So gut erging es nicht jedem.

Hier wurde es jetzt langsam spannend, da wir scheinbar ohne jegliches System kreuz und quer durch die Wüste fuhren und das jetzt auch in einem besseren Tempo. Und wie gesagt mit wenig Sichtweite.nacht.gif

Und dann kam mein Lieblingsmoment: Ich bin etwas abseits von der Spur gefahren um im schönen tiefen Sand zu fahren und musste dann plötzlich bremsen.

Yeah, festgefahren! Endlich! Also gab ich Vollgas und verlagerte mein Gewicht so weit wie möglich nach hinten und kam nach kurzer Zeit wieder los. Das erste richtige Wüstenfeeling auf dem Quad war mein Highlight der Tour.

Zusammenfassend ist zu sagen, der Quad Ausflug war zwar nicht so wie in meinen romantischen Vorstellungen, aber trotzdem ein einmaliges Erlebnis. Die vielen neuen Eindrücke, die Atmosphäre und die tolle Landschaft hat alle Enttäuschung über den fehlenden Nervenkitzel und die nicht vorhandene Einsamkeit wieder wett gemacht.

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Ein Tipp noch am Ende: Versucht direkt beim Buchen zu klären ob man nur in Gruppen fahren kann oder es auch Einzelfahrten gibt. Bei uns war das leider alles etwas ungenau abgesprochen und wir haben im falschen Moment „Yes“ gesagt und so die Chance in einer kleinen Gruppe zu fahren wohl verpasst.

Aber beim nächsten Mal!

Caro

 

Hier könnt eine solche Wüsten Quad Tour in Sharm el Sheik buchen: Wüsten Quad Tour

Hier haben wir gewohnt, sehr sehr empfehlenswert, direkt am Wasser !! Sunshine divers Taucher Resort

Falls Ihr Abends mal was Essen, Tanzen oder Shoppen gehen wollt kann ich dieses Center hier empfehlen: Soho Square Holiday Center

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