Neuverliebt in das eigene Bike?

Unverhoffte Frühlingsgefühle

Heute gibt es mal keinen Erfahrungsbericht sondern einen ganz ungewohnten Beitrag von mir und zwar…. über Gefühle.

Obwohl ich ja sonst überwiegend lieber über Erlebnisse berichte, habe ich in diesem Beitrag das dringende Bedürfnis über meine Gefühle zu schreiben.
Diese Gefühle haben mich nämlich die letzte und diese Saison ganz unterschiedlich überrascht und vielleicht geht es ja dem einen oder anderen da draußen ähnlich wie mir.
Ich habe mich nämlich nach 3 Jahren in meine Maschine NEU verliebt.

Warum ich so überrascht von dem Frisch-Verliebt-Gefühl bin?

Um sich wieder „neu zu verlieben“ muss man sich leider vorher entlieben, und das passierte bei mir schleichend und nicht ganz freiwillig.
2014 kaufte ich meine „Sam“ noch bevor ich überhaupt meinen Führerschein in der Tasche hatte und war mir ehrlich gesagt von Anfang an nicht sicher, ob sie nicht zu groß für mich wäre.
Aber mit viel Vertrauen und Zuspruch von meinem Freund und meinem Fahrlehrer, traute ich mir zu, die Maschine meiner Dakar-Träume fahren zu können.

Letztes Jahr dann habe ich leider das Garagentor mit einem schlechten Gefühl geschlossen und den ganzen Winter nachgedacht. Tatsächlich habe ich schon online nach anderen Motorrädern geschaut (das darf meine Honda bitte niemals erfahren!). Kurz bevor ich dieses Jahr das Garagentor wieder geöffnet habe, war ich mir sogar zu 80% sicher, meine Transalp zu verkaufen.

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Warum? Nach zwei Jahren voll von Euphorie endlich Fahren zu können und ein Motorrad zu besitzen, keimten im letzten Jahr dann irgendwie schlechte Gedanken auf.

Durch negative Gefühle habe ich die Verbindung zu meiner Sam verloren.
Jaja, Frauen und ihre Gefühle und so….eine Verbindung zu ihrem Motorrad. 🙂 Ich bin mir sicher da draußen gibt es bestimmt ein paar Biker, die auch eine solche Verbindung zu ihrer Maschine spüren :P.
Diese Connection zu meiner Honda habe ich einzig durch Zweifel verloren.
Zweifel an meinem Fahrkönnen nach 2 Jahren, Zweifel an meiner Maschine, Zweifel ob sie das richtige Bike für mich ist.
Ich hatte das Gefühl, sie sei zu groß , zu schwer, und ich könnte sie bei geringen Geschwindigkeiten nicht handhaben. Ich hatte Angst sie fallen zu lassen und dann nicht selbst wieder aufheben zu können (der Horror für eine Frau, der ihre Selbstständigkeit so wichtig ist, sage ich euch).

Ganz viele Gedanken und Sorgen in meinem Kopf, die mir das freie Gefühl beim Fahren geraubt haben. Ich konnte keine Tour mehr so richtig genießen und war eigentlich bei jedem Heimkommen einfach glücklich, dass nichts passiert ist. Das ich sie sicher abstellen kann ohne die Bürde weiter zu tragen, es könnte, es könnte, es könnte.
Also eigentlich stand ich mir selbst im Weg, aber das wusste ich im letzten Jahr natürlich noch nicht und zweifelte also an meiner Honda Transalp.

„Wenn das Kind nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld.“

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Also nach vielen Monaten des Grübels und Zweifels ob ich meine Sam verkaufen sollte geschah Irgendetwas Anfang dieser Saison …

Wir öffneten das Garagentor und sahen unsere Maschinen seit langem mal wieder.

Ich hatte keine Erwartungen was ich dabei fühlen würde und betrachtete meine Sam eher rational als ein Fortbewegungsmittel.
So groß, alt, verrostet und klapprig wie in meiner Erinnerung sah sie gar nicht aus.
Klar, ich musste die Batterie ausbauen und laden. Aber selbst Schuld, wenn man das Bike nicht winterfest macht.
Der Gedanke sie zu verkaufen war noch nicht gegessen.

Ich bin ganz ehrlich ohne Erwartungen aufgestiegen, da die Erinnerung an die negativen Gefühle vom Vorjahr noch präsent waren.
Nach der Saisonpause hatte ich zwar mega Lust auf’s Fahren, aber meine Transalp bin ich in diesem Moment nur aus praktischen Gründen gefahren.
Dann haben wir unsere kleine Tour gestartet, natürlich mit gelandener Batterie. 🙂
Der Motor sprang direkt an und die Choke musste ich gar nicht öffnen.

Das schwere Manövrieren aus der Ausfahrt war plötzlich gar nicht mehr so schwer.
Auch das Bremsen in der Kurve vor der Ampel….irgendwie war es einfach einfach.
Was hat sich geändert? Die Maschine ist doch noch die Selbe…
Habe ich mich etwa geändert? Wodurch sollte ich? Die Ampel schaltete auf grün und ich gab Vollgas, und hing meinen Freund auf seiner 1100 GS direkt ab. Ich erinnerte mich, wie sehr ich es liebte wie meine Honda im hohen Drehzahlbereich abgeht. Ich fühlte mich frei und stark und es gab keinen Platz mehr für Sorgen und Ängste in meinem Kopf.

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Es war eindeutig, ich habe mich geändert und konnte meine Maschine und das Fahren jetzt endlich wieder lieben.
Doch was hat sich bei mir geändert? Ich konnte es nicht sagen, aber mein Freund gab eine sehr treffende Einschätzung dazu ab.

Er meinte ich habe endlich mal losgelassen, indem ich mit Sam schon so gut wie abgeschlossen hatte.
Dadurch fiel der Druck, sie müsste einfach die perfekte Maschine für mich sein und ich der perfekte Fahrer, von mir ab. Ohne Druck und Sorgen gibt es auch keine Zweifel, die den Kopf beim Fahren verkleistern. So einfach ist die Rechnung.

Dieses Glücksgefühl der ersten Tour war auch keine Eintagsfliege, sondern begleitet mich jetzt bei jeder Fahrt.
In unserem Urlaub sind wir eine Woche mit den Bikes durch den Harz gefahren.
Den ganzen Tag Fahren, Serpentinen, Berg auf, Berg ab….totales Glück!!!

Zwar hatte ich am letzten Tag leider einen Platten (vielen Dank liebe Schraube!!) aber nach einem kurzen Anfall schlechter Gefühle „Warum ich…was hätte alles passieren können..“ kam ich schnell wieder auf den Boden zurück und wusste mein Glück zu schätzen.
Wir hatten eine ganze Woche fantastischen Fahrspaß, ich legte mich in die Serpentinen wie nie zuvor und liebte es von Kurve zu Kurve mehr. Wir hatten eine schöne Zeit ohne größere Zwischenfälle und das konnten leider nicht alle Biker in der Region sagen.
Der ADAC Fahrer der meine „BMW Transalp“ (verwirrt von den alten BMW Koffern) abgeschleppt hat, erzählte er hätte einen Tag zuvor 8 Maschinen vom Straßenrand gekratzt. 😦
Da wusste ich wieder wie dankbar ich sein konnte.

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Auch heute noch, einige Monaten nach dem Öffnen des Garagentors, bin ich immer wieder überwältigt von meinem Glück und der Liebe zu meiner Maschine.

Sie ist einfach fantastisch, ich liebe es sie zu fahren.
Ich bekomme wieder nicht mehr genug davon, die Freiheit und die Verbundenheit zu meinem Motorrad beim Fahren zu spüren.
Und weil ich meine 26 Jahre alte Honda so liebe, habe ich entschieden sie etwas zu verschönern.
Es gibt für sie ein paar neue Lichter, Blinker, eine neue Sitzbank und wer weiß was ich noch so an ihr erneuern werde.
Die Transalp fährt sich perfekt und so perfekt soll sie auch nach außen hin aussehen.

Also Jungs und Mädels, das war’s mit der Gefühlsduselei.
Vielleicht kennt ihr das ja auch und seid am Zweifeln. An Euch oder eurer Maschine.
Nehmt euch Zeit und versucht alle Erwartungen, Sorgen und Ängste mal zu vergessen und vertraut auf euer Bauchgefühl!! Dann werdet ihr schon wissen ob das Motorrad zu euch passt oder nicht. 🙂

Bis bald,
Eure über beide Ohren verknallte Caro

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6 Gedanken zu “Neuverliebt in das eigene Bike?

  1. Schön geschrieben…
    Ich bin seit 1990 Mopped fahrer und muss sagen ich habe auch für immer gefühle mit meine Maschinen gehabt.Ich besitze auch wie dein Freund einen R1100GS und zwar seit 10 jahren.Ich bin damit so verliebt und werde sie nie mehr abgeben.Eine beziehung braucht immer zeit um reif zu werden.Nur dann kann mann mit einander sicher verstehen und glücklich werden.Ein fahrzeug soll mind 5 jahren gefahren werden endgültig verstanden zu werden.Honda Transalp und seine stimme finde ich für immer einzigartg.Der ist eine richtige auswahl für jeder und sehr zuverlässig aufs ganze mechanik.Wünsche noch viel spass und glück damit.Schöne grüsse aus Bursa.

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    1. Vielen Dank Yünel!! 🙂 Ja dieses Gefühl kann ich gut nachvollziehen. Ich hoffe ich kann auch so viele schöne Jahre mit meiner Translap verbringen wie du mit deiner BMW. Na dann fahre ich sie noch 2 Jahre und verstehe sie hoffentlich entgültig 🙂 Vielen Dank für deine lieben Worte, schöne Grüße aus Hamburg zurück

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  2. Hi!
    Schön geschrieben.
    Das neu verlieben kenne ich auch.
    Habe seit vielen Jahren ne Africa Twin .
    Genau wie die Transalp ein gutmütiges und zuverlässiges Motorrad.
    Obwol ich mittlerweile einige neuere Motorräder hatte bleib ich trotzdem meinem alten Bike treu.
    Zuviele Erinnerungen sind mit ihr verbunden.
    Wünsche dir weiterhin viel Spaß mit „Sam“! 👍😎

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    1. Hi Ray, ach ja schön eine Africa Twin kann man ja auch nur lieben oder?!:)
      Ich stand auch vor der Wahl Africa oder Trans …über meine Entscheidung bin ich sehr froh, aber irgendwann will ich doch auch mal auf einer Africa Twin Reisen.
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar und Dir auch viel Spaß mit deiner Honda 😉

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  3. Hoi,
    eine schöne Liebeserklärung!! Erinnert mich an meine ersten Motorräder, so vor ca. 25 Jahren – da drehte sich auch vieles (nicht alles *g*) um die Dinger. Und ja – es gab Tage und Zeiten, an denen ich mir meiner „Liebe“ zur Maschine nicht mehr ganz sicher war.

    Meist waren es dann irgendwelche Zipperlein, die das Vergnügen ein wenig trübten, z.B. abgefahrene Reifen, oder trockene Kette, oder tote Kerzen..

    Heute trauere ich lustigerweise den grössten Ludern meiner Motorrad-Zeit am meisten hinterher..

    Seit 17 Jahren besitze ich nun schon eine Ducati 748s. Über 80.000 km hab‘ ich ihr in den Motor gefahren – und ich liebe es mehr und mehr, auf der kleinen Roten unterwegs zu sein.

    Meine Liebeserklärung habe ich weniger in Worte, dafür in Bilder gegossen:

    http://theiner.net/blog/2017/04/24/carattere-meccanico/

    Allzeit gute Fahrt wünsche ich!
    Jürgen

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    1. Hallo Jürgen, sehr sehr schöne Bilder, hast Du da von deiner kleinen Roten gemacht. Sie ist auch echt ein Klassiker, ich kann. gut verstehen warum Du sie gerne fährst und fotografierst :).
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar und Dir auch auch eine allzeit gute Fahrt!
      LG Caro

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